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Eins bleibt noch…

3. November 2011

Im stilvollen Dukes Hotel in London wurde Riccardo Chailly heute für einen Kurzfilm interviewt. Dafür wurde ein schönes Zimmer ausgewählt, um ungestört sehr herausfordernde Fragen zum Thema Leadership zu beantworten.

Am frühen Abend fuhren wir zur vorletzten Anspielprobe auf dieser Tournee ins Barbican Centre. Nach kurzen Einspielen kündigte Intermusicas Managing Director Stephen Lumsden dem Orchester eine nette Überraschung für den morgigen Abend an. Intermusica ist eine Londoner Agentur, die für uns große Teile der Tournee in Frankreich und Großbritannien organisiert hat. Nach Beethoven 9 am Donnerstag wird es eine Tour-Abschlussparty für alle Tourmitstreiter geben, juhu… Die heutige Probe wurde für einen Agenturspot aufgezeichnet. Maestro Chailly nahm einige Stellen aus den Sinfonien 4 und 6 durch, dazu Mantovanis “upon one note”.

In den letzten Tagen war zwar immer vom Barbican Centre die Rede, allerdings ohne ein paar Fotos von diesem riesigen Areal zu sehen. Hier sind einige Bilder, die einen kleinen Teil der verschiedenen Gebäude zeigen.

Hui, und das Konzert war wieder ganz schön aufregend. Wir befinden uns in London seit Tagen im Beethoven-Erfolgs-Delirium. Erst mit dem morgigen Konzert wird dieser Zustand aufhören. Mantovanis Auftragswerk wurde nett vom Publikum entgegengenommen. Nach Beethoven 6 gab es dann aber den mit Freude erwarteten, begeisterten Jubel, der stehend gespendet wurde. Das sind einfach herrliche Momente.

Adorable London

2. November 2011

So, wir sind wieder in London. Die letzte Etappe auf unserer Tour! Das übliche Prozedere beim Transfer von Paris (Warten, Passkontrolle, Gepäckröntgen, der Kampf um einen Platz für die Koffer) konnte man verschieden ertragen. Nette Gespräche mit Kollegen oder Mitreisenden, wie oben auf dem Foto mit Herrn Dr. Creuzburg, Vorsitzender des Fördervereins des Gewandhauses, oder ein schönes Buch waren zwei Möglichkeiten. London empfing uns dann hinreißend mit Sonnenschein und der üblichen Geschäftigkeit seiner Bürger.

Zum Ausruhen blieb nicht viel Zeit. Zwei Stunden nach Ankunft im Hotel fuhren wir ins Barbican Centre, unser Home, unsere Residenz, um für das Konzert am Abend zu proben. Nur einige Passagen wurden justiert – den Stoff haben wir ja nun drauf.

Vor dem Konzert begegneten sich Partner und Sponsoren des Barbicans bei einem Empfang. Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz war eingeladen und kam mit vielen der Gäste ins Gespräch. Das ist natürlich etwas außergewöhnliches für die Gäste: dem Gewandhausdirektor, den es ja als Titel und Funktion nur einmal auf der Welt gibt, mal die Hand zu schütteln.

Das Konzert mit der Londoner Uraufführung “Grand Barcarolle” von Colin Matthews und Beethoven 3 und 8 wurde, wie wir es hier fast schon gewöhnt sind, bereits zur Pause mit einem heftigen Applausregen gewürdigt. Nach B. 3 brach dann ein Jubel los, der fast unheimlich war – Standing Ovations, Bravi, Vorhänge…  Was für ein Tag: sehr anstrengend aber reich belohnt – res severa verum gaudium.

Großes Finale in Paris

31. Oktober 2011

Reformationstag in Paris bei 22 Grad, sensationell! Einige Musiker nutzten die Zeit, um bei einschlägigen Instrumentenbauern in Paris Bögen neu zu bespannen oder Ersatzteile zu kaufen. Der Weg führte unter anderem zur Werkstatt von
Agnès Guéroult, die für ihre Nachbauten von historischen Klarinetten und Chalumeaux berühmt ist. Wieder in Hotel angekommen: kurz ausruhen, ein paar Schnappschüsse aus dem Hotelzimmer, dann Abfahrt zur Anspielprobe im Salle Pleyel.

Geprobt wurde noch einmal das heutige Konzertprogramm Beethoven 9  und Friedrich Cerhas Auftragswerk “Paraphrase über den Anfang der 9. Sinfonie von Beethoven”.

Zwischen der Anspielprobe und dem Konzert wurde das Kazoi Watanabe-Stipendium feierlich an Katia Nemirovitch-Dantchenko übergeben.

Vielleicht kurz zur Erklärung: Dr. Watanabe aus Tokyo war Gründungsmitglied des Mendelssohn-Haus e.V. in Leipzig . Bis zu seinem Tod im Jahr 2010 hat er weit über 300.000,00 Euro für die Restaurierung des Mendelssohn-Hauses und das Musikleben im Salon des Mendelssohn-Hauses gespendet. Für die nachhaltige Verbreitung des musikalischen Erbes hat er im Jahr 2009, dem 200. Geburtstages Felix Mendelssohn Bartholdys, das nach ihm benannte Stipendium gestiftet.

Heute wurde das diesjährige Stipendium in Höhe von 5.000,00 Euro an die in Paris lebende Pianistin Katia Nemirovitch-Dantchenko vergeben. Gewandhausdirektor  Prof. Andreas Schulz und der Direktor des Mendessohn-Hauses Jürgen Ernst überreichten ihr die Urkunde im Foyer des Salle Pleyes. Das Stipendium wird für eine CD-Produktion mit der Pianistin im Mendelssohn-Haus verwendet.

Cerhas Pariser Uraufführung wurde höflich entgegengenommen, ohne aber die Begeisterung aus den ersten beiden Konzertabenden hier im Salle Pleyel zu erreichen. Ersehnt wurde Beethoven 9 mit dem Choer de Radio France unter der Leitung von Matthias Brauer und den Solisten Christiane Oelze, Annely Peebo, Kor-Jan Dusseljee und Thomas E. Bauer. Nachdem die letzten Takte verklungen waren, setzte ein stürmischer Applaus ein, der gefühlt 10 Minuten dauerte, und krönte den kompletten Beethoven-Zyklus in Paris. An die Fan-Schlangen vor dem Zimmer von Maestro Chailly hatten wir uns schon gewöhnt. Dass aber der Dirigent Paavo Järvi unter den Konzertgratulanten war, freute uns sehr.

Unsere Orchesterwarte standen dann vor der Aufgabe, den noch leeren LKW zu beladen und auf die Reise nach London zu schicken. Morgen fahren wir dann mit dem Zug zu den drei letzten Konzerten im Barbican Centre London.

Mantovani mit Schlagkraft

30. Oktober 2011

Sonntag, da beginnen die Konzerte im Salle Pleyel bereits um 16 Uhr. Für uns hieß das: 13.45 Uhr Abfahrt vom Hotel zur Anspielprobe. Aufgrund der milden Temperaturen (ca. 16 Grad) zogen es allerdings viele Musiker vor, zu laufen. Letztlich zählt nur, dass alle zum Beginn der Probe im Saal spielbereit sind. Probiert wurden Beethoven 4 und 6 bzw. die Pariser Uraufführung von Mantovanis “upon one note”, mit reichlich schmetterndem Schlagwerk. Auf einem Foto ist die ganze Schlagausstattung gut zu erkennen.

Hier eine Stelle aus B. 4 (leider wieder nur zum runterladen):

Mitschnitt Probe B. 4

Eingezwängt in zwei stattliche Beethoven-Sinfonien boxte sich “upon one note” durch die üppigen Percussionspassagen und lautem Schlagwerk gebührend frei, sodass ein schöner Kontrast bis zum Ende des Konzertabends erhalten blieb. Der Applaus für die Uraufführung war anständig, wenn auch nicht überwältigend. Wir werden sehen, wie die Londoner das Stück beurteilen. Und am Ende des Abends waren es wieder weit mehr als 5 Minuten Dauerapplaus – sehr ausdauernd unsere Pariser Fans… Das gilt auch für das Schlangestehen im Anschluss an das Konzert, um von Maestro Chailly noch ein Autogramm zu bekommen.

B. 3 als i-Punkt

29. Oktober 2011

Zeit für einen Rundgang am und im Salle Pleyel, dem einzigen großen symphonischen Konzertsaal der Stadt Paris. Er hat ca. 1900 Sitzplätze und einen recht schönen Besucherbereich. Hier spielen regelmäßig das Orchestre de Paris, das Orchestre philharmonipue de Radio France und das London Symphony Orchestra. Es freut uns, hier den Beethoven-Zyklus bei einem immer ausverkauften Saal aufführen zu können.

Aber bevor das Konzertvergnügen den Raum beherrschte, haben wir eine Probe zu Beethoven 9 und die Anspielprobe zum heutigen Konzert (Beethoven 3 und 8, nebst Grand Barcarolle von Colin Matthews) absolviert.

Mit dabei war der Choeur de Radio France, dem einzigen profesionellen Rundfunk- und Konzertchor in Frankreich. Für den gemischte Chor ist Beethoven 9 Repertoire, das bereits schon mit den Wiener Philharmonikern aufgeführt wurde. Kein Wunder, dass nur 3 Proben, davon eine mit Orchester, also die heutige, nötig waren. Chorleiter Matthias Brauer, arbeitet seit 5 Jahren in Paris. Zuvor hatte er viele Gelegenheiten, auch mit dem Gewandhausorchester zusammenzuarbeiten. Eine seiner wichtigen beruflichen Stationen war das über zehnjährige Engagement an der Semperoper Dresden.

Hier seht Ihr einen Livemitschnitt zur 9. (leider nur zum runterladen).

Probenmitschnitt Beethoven 9

Die Auftragskomposition von Colin Matthews wurde begeistert aufgenommen, Maestro Chailly und Matthews genossen den Applaus. Danach folgte Beethoven 8 und 3. Letztere brachte bei den Besuchern das Fass der Begeisterung zum überlaufen. Minutenlanger Applaus und lautes Gejohle durchdrangen den Saal. Die Musiker badeten sichtlich gern in diesen Jubelwellen. Ein erfolgreicher Konzertabend geht zu Ende und Besucherschlangen reihen sich an Maestro Chaillys Garderobe, alle wollen ein Bravo überbringen.