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Fortsetzung 2033?

5. September 2010

Tobias und Thomas Tauber hinter der Bühne des Auditorio Agnelli in Turin (Lingott)

Drei Jahre nachdem Thomas Tauber als zweiundzwanzigjähriger Geiger ans Gewandhausorchester engagiert wurde, kam im Jahr 1987 sein Sohn Tobias zur Welt. Heute spielen beide im gleichen Orchester.
In einem Haushalt voller Geigenspieler (die Eltern und die zwei Brüder spielen Violine) interessierte sich Tobias früh für das Violoncello. Nach dem Besuch der Spezialschule für Musik in Dresden entschied er sich, das Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig aufzunehmen.
„Erst im Laufe der ersten Semester konnte ich endgültig sagen, dass ich die Musikerkarriere weiter verfolgen will,“ sagt Tobias Tauber. Zuhause konnte er der Musik kaum entgehen: Der Vater Musiker im Gewandhausorchester, die Mutter Geigenlehrerin – dennoch (oder deswegen) hätte er sich auch eine naturwissenschaftliche Profession vorstellen können. Aber wenigstens wollte er es ausprobiert haben, ob ihm das Musikstudium und Profimusikertum liegt.
Sein Vater, Thomas Tauber, war froh, dass die Entscheidung für die Musik fiel: „Wir haben ja sein Talent gesehen. Es wäre aus unserer Sicht schade gewesen, wenn er daraus nicht mehr gemacht hätte.“ Allerdings sind die Einflussmöglichkeiten der Eltern auf die Kinder begrenzt, wenn die ein bestimmtes Alter erreicht haben, räumt der Geiger ein und er hätte sich anderen Zukunftsplänen seines Sohnes wohl kaum entgegen gestellt.
Doch Zweifel am eingeschlagenen Weg bleiben nicht aus. „Wenn es genug zu tun gibt im Studium  und sich ausreichend Gelegenheiten zum Musizieren bieten, macht es Spaß“, stellt Tobias fest.
Gleich nach Studienbeginn war dies offenbar nicht mehr der Fall. Im ersten Semester bewarb er sich nämlich gleich für eine Substitutenstelle im Gewandhausorchester. Dem Vater war das nicht so recht: „Ich dachte, er sei mit einundzwanzig vielleicht noch zu jung dafür“, gibt Tauber senior zu. Wie sich die Zeiten ändern: Mit Zweiundzwanzig hatte Vater Thomas schon die feste Anstellung im Gewandhausorchester! „Er hat mir das auch gleich vorgerechnet“, amüsiert sich der ältere Tauber und Tobias sagt: „Über die Altersfrage hatte ich mir keine Gedanken gemacht– ich wollte einfach so spielen, dass ich mich nicht blamiere.“ Der erste Anlauf hat dann aber doch nicht geklappt.
Beim zweiten Anlauf im Jahr 2009 funktionierte es offenbar besser und er bekam den Job.
Ein Jahr später, 2010, wurde eine feste Tutti-Stelle in der Violoncello-Gruppe ausgeschrieben. 100 Bewerber gab es dafür und wieder war Tobias Tauber bei den Letzten in der Auswahl. „Ich würde gerne in Leipzig bleiben und da ich ja schon mal ein Vorspiel erfolgreich absolviert hatte, lag es nahe, es auch für die Festanstellung zu probieren,“ sagt Tobias. Vater Thomas hat weder zu noch abgeraten, sich am Gewandhaus zu bewerben. „Da es sich mit seiner Lebensplanung deckt, wäre es ja ungeschickt, den Versuch nicht zu unternehmen, hier eine Stelle zu finden,“ sagt der Geiger.
Geschafft hat es der Cellist, der derzeit im sechsten Semester studiert, nicht. Aber er war so gut, dass man ihm immerhin einen Zeitvertrag angeboten hat, der Ende Dezember endet.

Tobias Tauber (rotes Shirt, vorne) bespricht sich mit Cello-Kollegen, Thomas Tauber (hellblaues Hemd) probt auf der Geige

Vater und Sohn tauschen sich außerhalb des Konzertpodiums durchaus über Belange des Orchesters aus, vor allem auch über berufspraktische Dinge. Spezielle fachliche Fragen das Instrument betreffend, sind kaum untereinander zu klären. Auch sitzen die beiden so weit auseinander, dass Tobias kaum den kritischen Blick oder die Kontrolle durch den Vater fürchten müsste. „Ich habe nicht das Gefühl, dass er mir „im Nacken“ sitzt. Er hat als Musiker der ersten Geigen außerdem genug mit seinen Noten zu tun und daher kaum Gelegenheit, mich dabei auch noch genau zu beobachten,“ scherzt Tobias.
Zwischen den Generationen gibt es keinen Neid. Thomas Tauber lebt und arbeitet in dem Bewusstsein, dass seine Karriere, die in der DDR begonnen hatte, gut verlaufen ist ohne, dass er viel vermissen würde. „Außer vielleicht die heutigen Möglichkeiten, als Nachwuchsmusiker schon recht früh mit Jugendorchestern reisen zu können“, gibt er zu. Und sicher beneidet er Tobias auch nicht um die größeren Schwierigkeiten, die man als Musiker heute hat, mit seinem Beruf sein Leben zu fristen und für die größere Unstetigkeit, die dieses Bestreben oft mit sich bringt. Das genau ist es aber, was sich Tobias wünscht: „Eine gewisse Sicherheit, die mein Vater als junger Mann mit seinem Beruf erreichen konnte, ist komfortabel und beruhigt ein bisschen.“ Für einen Musiker seines Alters mag das überraschend klingen – wo doch häufige Jobwechsel (freiwillig, um sich auszuprobieren oder unfreiwillig, weil keine Stellen frei sind) bei jungen Musikern quasi an der Tagesordnung sind. Im Frühjahr wird eine weitere Cello-Stelle ausgelobt. Wie bei der Substitutenstelle hat er noch eine zweite Chance, sich die Stelle im Gewandhausorchester zu erspielen. Wenn auch dieses nächste Probespiel kein Engagement im Gewandhaus bringt, würde Tobias  aber selbstverständlich auch nach anderen Stellen Ausschau halten. Aber es ist Nachwuchs im Anmarsch: im Oktober wird der Cellist Vater von Zwillingen. Zwei gute Gründe für den Wunsch nach beruflicher Sicherheit.
“2011, als Tobias Tauber als Vierundzwanzigjähriger Cellist ans Gewandhausorchester engagiert wurde, waren seine Kinder gerade zur Welt gekommen, heute spielen sie …”
Vielleicht beginnt so die Fortsetzung der Familien-Geschichte im Jahr 2033.

Teatro alla Scala

4. September 2010

Teatro alla Scala

Das Gewandhausorchester bereist Mailand seit 1975. Es folgten ein Auftritt 1988 und dann zum ersten Mal in der Scala im Jahr 1994, alle unter der Leitung von Kurt Masur. 14 Jahre später erst kommt das Gewandhausorchester unter dem Mailänder Gewandhauskapelmeister Riccardo Chailly zurück in die Lombardei. Das erste Konzert in der neuen Konstellation erfolgt 2008, gefolgt von einem Auftritt im Jahr 2009.
[Galerie nicht gefunden]

Auch bei Proben und Konzerten gibt es Wartezeiten: Vor der Probe, während der Probe (beim Umbau für den Flügel mussten die gesamten Musiker/innen der zweiten Geigen ihre Pulte wegräumen), in der Konzertpause.

Das Eröffnungkonzert des vierten MITO-Settembremusica-Festivals wurde vor ausverkauftem Haus gespielt (2200 Plätze) und mit Bravo-Rufen bedacht. Das Festival gewinnt zunehmend an Bedeutung und das Medieninteresse nimmt stetig zu. Riccardo Chailly gab vor dem Konzert noch ein Radiointerview und ein TV-Interview für RAI Tre.

Rezensionen Stuttgart

4. September 2010

Über das Stuttgarter Konzert wurde vorwiegend positiv berichtet, wei man den Rezensionen entnehmen kann.

Heilbronner Stimme 3.9.2010
Ludwigsburger Kreiszeitung, 3.9.2010
Stimme.de, 3.9.2010
Stuttgarter Nachrichten, 3.9.2010
Stuttgarter Zeitung, 3.9.2010
Esslinger Zeitung, 3.9.2010

Konzert in der Messehalle: Rimini

2. September 2010

Derzeit gibt es für große Orchester in Rimini nur einen Ort, an dem sie auftreten können: Der “Palacongressi”, eine Messehalle der Messe Rimini.
Der neue Saal wurde leider nicht rechtzeitig fertig (Eröffnung Mitte September 2010, laut Homepage des Palacongressi) sodass auch das Gastspiel in der alten Messehalle stattfinden musste.
Die Halle war mit knapp 1700 Sitzen bestuhlt und ausverkauft.
Im Hinterbühnenberich mussten die Musikerinnen und Musiker weitere Nebenhallen durchwandern, um die provisorischen Garderoben zu erreichen.

Provisorische Umkleidekabine in der Messehalle Rimini

Selbst Riccardo Chailly musste sich, wie sein Nachbar Kit Armstrong – mit einer Art Verschlag aus Messebauwänden begnügen.

Auf Probe

2. September 2010

„Es bedeutet mehr Verantwortung – aber das wollte ich ja auch so“, sagt er selbstbewusst. David Wedel, seit 2005 Mitglied der ersten Geigen des Gewandhausorchesters spielt seit dieser Saison als 1. Konzertmeister der zweiten Violinen. Auf Probe. Für ein Jahr.
Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt der heute Achtundzwanzigjährige Geige. Er studierte bei Zakhar Bron in Köln, bei Ulf Wallin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und nahm erfolgreich an verschiedenen internationalen Wettbewerben teil. Nach einer Praktikantenstelle im Konzerthaus-Orchester Berlin sowie Engagements in den Festivalorchestern in Verbier und des Schleswig Holstein Musik Festivals, wurde er als Tuttist der ersten Geigen ins Gewandhausorchester engagiert. 2008 übernahm er die Stelle des Vorspielers der ersten Geigen und gewann schließlich das Probespiel für die Position des 1. Konzertmeisters. Nun muss er sich ein Jahr lang bewähren.

David Wedel (gelbes Hemd) zwischen Riccardo Chailly und der Gruppe der 2. Violinen

Die Gruppe, deren Mitglieder unterschiedlich weit vom Dirigenten weg sitzen, orientiert sich nicht nur am Dirigenten, sondern auch am 1. Konzertmeister. „Die Position – wie auch alle anderen vorderen Positionen – ist wie der verlängerte Arm des Dirigenten“, erklärt Wedel. Er ist derjenige, der 100% Kontakt zum Dirigenten haben muss und der dessen Impulse an die Gruppe weiter vermitteln soll. Nonverbal natürlich – mit der Bewegung von Körper und Instrument. Der 1. Konzertmeister gewährleistet damit das exakte Zusammenspiel und genaue Einsätze der gesamten Gruppe. Parallel dazu muss er sich permanent mit den Kollegen der anderen ersten Pulte abstimmen und er muss dauernd den Kontakt zum Dirigenten halten – also eigentlich fortwährend an vielen Fronten reagieren – und natürlich noch spielen. „Man sitzt an der Stelle ziemlich `ungeschützt´, man kann sich nicht mehr an einem Vordermann orientieren und es gibt deswegen auch nahezu keinen Augenblick der Entspannung mehr.“

Damit David Wedel seine Rolle optimal gestalten kann, muss nicht nur er das Stück perfekt kennen, sondern auch die Gruppe muss gut vorbereitet sein. Gruppe und Konzertmeister müssen gemeinsam als Ganzes agieren. Erst die sehr genaue Kenntnis des Notenmaterials ermöglicht es den einzelnen Musikerinnen und Musikern, öfter nach vorne zu schauen, um die Impulse von 1. Konzertmeister und Dirigent wahrnehmen und umsetzen zu können. Wenn die Spieler an den Noten `kleben, können Einsätze und andere Zeichen von Dirigent und Konzertmeister unter Umständen nicht erkannt werden. Über „seine“ Gruppe jedoch schwärmt Wedel: „Die zweiten Geigen sind super zusammen! Und dabei darf man die besondere Leistung der hinteren Pulte nicht verkennen“, gibt er zu bedenken.

Die Entfernung vom letzten Pult bis zum Dirigenten ist weit.

Diese Musiker sitzen nämlich so weit weg, dass sie kaum eine andere Wahl haben als gut vorbereitet sein zu müssen, um ihre Einsätze über Blickkontakt mit dem Dirigenten und dem Konzertmeister besser koordinieren zu können.

Der Erwartungsdruck ist im Probejahr naturgemäß groß und beide Seiten müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen: Der neue 1. Konzertmeister muss lernen, wie die Gruppe funktioniert und ob er Führungsqualitäten besitzt, die Gruppe hingegen muss sich an seine Persönlichkeit und seinen Führungsstil gewöhnen.
Alles zusammengenommen ist David Wedel größeren psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt, als an den Positionen, die er zuvor innehatte. „Um herauszufinden, ob ich dem gewachsen bin, ist das Probejahr auch für mich wichtig“, sagt er selbstkritisch. Aber er ist guter Dinge: „Die ersten Proben und Konzerte sind toll gelaufen und ich bin zunehmend weniger angespannt.“

David Wedel kurz vor dem Auftritt in Stuttgart