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Archiv für die Kategorie „Rezensionen“

Besser geht´s nicht

Dienstag, 2. März 2010

von Charlotte Schrimpff, LVZ

Neun Konzerte an sieben Orten. Ovationen nach jedem einzelnen und die erste Gründung eines US-Freundeskreises für ein deutsches Orchester. Gestern kehrte das Gewandhausorchester von seiner 14-Tage-Tournee durch die Vereinigten Staaten zurück, mit einer Bilanz, die kaum anders als triumphal zu nennen ist.

Andreas Schulz trägt schwarze Hose und kein schwarzes Sakko mehr über dem weißen Hemd. Dafür trägt er ein T-Shirt, auf das „NY“ gedruckt ist und „LGO“, in großer schwarzer Schrift. Dazwischen ein rotes Herz: „New York loves Leipzig Gewandhaus Orchestra“ . Schulz, Direktor des Gewandhauses zu Leipzig, steht am späten Samstagabend im Salon des Generalkonsuls der Bundesrepublik Deutschland, Horst Freitag, in der New Yorker Park Avenue und grinst. Denn Andreas Schulz hat allen Grund dazu.

Zwar war es eigentlich nicht er, sondern Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, der wenige Stunden zuvor auf dem Empfang im Rohatyn Room der Carnegie Hall einen Abend versprochen hatte, den niemand „bereuen“ müsse, aber am Inhalt dieser Nachricht ändert sich nichts: New York liebt es, dieses Orchester. 2800 stehen Ovation, als Riccardo Chailly zum letzten Mal aufs Podium kommt, strahlend. Es wird gepfiffen und gebrüllt, dazu frenetisch geklatscht. Mancher spricht später im Foyer vom besten Konzert, das er je gehört hätte im Saal an der 7th Avenue. Andere stehen anderntags an der Ecke zur 57. Straße und fragen die, die sich in der Pause die Füße vertreten nach Karten fürs ausverkaufte letzte Konzert.

Tatsächlich gibt es eigentlich nichts, was noch besser hätte sein können, am Ende dieser 14. Tournee durch die Vereinigten Staaten. Technisch nicht, Bühnenchef Lothar Petrausch und Team sei gedankt, organisatorisch nicht, Orchestermanager Marco Eckertz und Kollegen leisteten Höchstes. Vor allem aber nicht musikalisch: 102 Musiker feierte die US-Presse hymnisch.

Die Visitenkarte also, die das Orchester zuerst in Los Angeles abgegeben hat, später in Palm Springs und Costa Mesa, San Francisco, Boston, Newark und New York, ist exklusiv. Die Visitenkarten, die Schulz gesammelt hat, zusammen mit Generalbundesanwältin Monika Harms in diesen zwei Wochen, sind es hoffentlich auch. Denn was der nun gegründete Freundeskreis – „American Friends of Leipzig Gewandhaus Orchestra“ – in erster Linie braucht, sind Kontakte. In zweiter Linie Financiers, aber das muss man in den USA eigentlich nicht erklären, dem Land, in dem Fundraising kein Fremdwort ist, sondern etwas, das Treppenhäusern Namen gibt und Saalfoyers. Erklärtes Ziel der Gesellschaft, der ehrenamtlich Harms, Schulz und die Anwälte Gerhard Wegen aus Stuttgart sowie Jeffrey B. Samuels und Peter Brown aus New York vorstehen – ist es, die Präsenz des Orchesters in den USA zu verstärken: Tournee-Planungen sollen vereinfacht werden. „Idealiter stellen wir uns das als Win-Win-Konstellation vor“ erklärt Wegen den geladenen Gästen, darunter Klaus Scharioth, Botschafter der Bundesrepublik in den USA, Eileen Guggenheim, Direktorin der New York Academy of Art, nebst zahlreicher Vertreter aus Leipzigs Wirtschaft und Kultur.

Das sind Überlegungen, die seit den Tagen Herbert Blomstedts als Gewandhauskapellmeister existieren und mit Amtsantritt Chaillys, der Ähnliches aus seiner Zeit als Chef des Concertgebouworkest Amsterdam kennt, neuen Zündstoff bekamen, wie Schulz es formuliert. Mit Monika Harms schließlich fand sich diejenige, die zum Telefon griff und die richtigen Nummern wählte: Zuerst die Wegens und dann die der Kanzleien in New York.

Ähnliche Voraussetzungen führten einst Antonín Dvorák in die USA: als Direktor des National Conservatory of Music kam der Tscheche auf Einladung der Musikmäzenin Jeannette M. Thurber in die Stadt, am 16. Dezember 1893 wurde sein Opus 95 an Ort und Stelle uraufgeführt. Damals spielte das New York Philharmonic Orchestra, 1842 gegründet, als ältestes Orchester der USA. Das Gewandhausorchester ist das älteste bürgerliche Orchester der alten Welt. Und es spielt diese Sinfonie, die man die „aus der neuen Welt“ nennt, als sei sie nicht 117 Jahre alt und es selbst über 250, sondern als passiere das heute und hier zum ersten Mal: Mitten auf dem Times Square zum Beispiel – im dritten Satz, wo es so lärmt und funkelt und tost. Oder wieder im Flugzeug einmal quer über den Kontinent, von San Francisco gen Osten, wo viel Nichts sieht, wer aus dem Fenster guckt, unerhörte Weite. Und im Largo im Englischhorn: Gundel Jannemann-Fischer geht hinaus über diese Welt.

Das ist erbarmungslos gut. Der Akt des Spielens tritt hinter die Musik zurück. Am Sonntag Frédéric Chopins erstes Klavierkonzert, das man von Louis Lortie weder in Leipzig so licht gehört hätte noch in San Francisco. Vielleicht ist es der elegante Ton des Saals, der die Atmosphäre so kostbar macht. Vielleicht ist es das Blattgold auf den Arabesken in einem der besten Konzerthäuser dieser Welt.

Das Isaac Stern Auditorium, der große Saal der Carnegie Hall, drängt sich nicht auf in seiner Akustik. Er verschärft nichts, mildert nichts. Über den Dingen liegt hier eine Einfachheit, die die Flöte zart macht und die Streicher transparent.

Kurt Masur, Riccardo Chaillys Vorvorgänger im Amt des Gewandhaus-kapellmeisters, sagt am Sonntagabend nichts zum Konzert, auf dem Empfang in der Park Avenue. Er steht bloß da, neben Andreas Schulz, als der das T-Shirt überzieht, mit dem so schönen wahren Satz. Der ohne ihn, Masur, kaum hätte gedruckt werden können: Die erste Orchester-Tournee durch die USA fand 1974 statt – unter seiner Leitung.

Rezension Carnegie Hall

Samstag, 27. Februar 2010

Alessandro Roveri vom “Giornale della musica” schreibt am 27. Februar 2010 über das Carnegie Hall-Konzert des Gewandhausorchesters.

Das Leipziger Vorbild spielt nichts als Beethoven

Samstag, 27. Februar 2010

von Charlotte Schrimpff, LVZ

Was sonst sollte man schon tun, unter so einer Überschrift? „Beethoven“ steht in Großbuchstaben in dem goldenen Emblem direkt über der Bühne. Am Rande, in allen anderen: nichts. In diesem Rahmen aber, aus Gold und aus Blättern, sitzt das Gewandhausorchester und spielt – Ludwig van Beethoven. Fast möchte man fragen: Wen sonst.

Dabei wird, was diesen Saal betrifft und seine Beziehung zum alten Konzerthaus in Leipzig, oft genug ein Irrtum zitiert: Zwar ließen sich Charles McKim, William Rutherford Mead und Stanford White, die Architekten der Boston Symphony Hall, Anfang der 1890er Jahre die Pläne jenes Saales kommen, an dessen Stelle in der Beethovenstraße heute das Geisteswissenschaftliche Zentrum steht, und haben sich die offenbar angesehen. Die Maße und Hölzer, Kanten, Ecken und ihre akustische Qualität: Zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerthallenbaus, so will es die Legende, wurde ein Physiker hinzugezogen – Wallace Clement Sabine, der darüber zur Institution avanciert ist in Fragen akustischer Raumkonstruktion.

Eine Kopie ist der Saal an der Massachusetts Avenue trotzdem nicht. Inspiriert von einer Idee aus Europa – allenfalls. Der Wiener Musikverein zum Beispiel ist genauso rechteckig und hat zwei umlaufende Balkone, auch die Laeiszhalle in Hamburg – das alte Gewandhaus dafür hatte bloß einen und längst nicht so viele Statuen von Göttern aus Griechenland und Rom.

Am Ende ist alles das auch völlig egal, wenn das, worauf es ankommt, stimmt. Die Akustik tut es Donnerstagabend, als Boston dunkel ist und nass, nach drei Tagen Regen. Als Riccardo Chailly die Arme hochreißt und sein Orchester spielt – Beethoven.

Die siebte Sinfonie und sein Klavierkonzert Nr. 5 im fünften Konzert der 14. Tournee durch die Vereinigten Staaten. Die es ohne Boston nicht gäbe – auch wenn das Gewandhausorchester noch älter ist, genau 23 Jahre. Aber selbst das tut nichts zur Sache. Wo Akzente so sensationell sind, wie in diesem Presto, in dieser Sinfonie. Wo das Vivace nichts als Rhythmus ist und das Allegretto erst lauter und dann leise und sich in den Streichern jede Stimme aus der anderen ergibt. Wenn dieses Orchester also spielt, wie es spielt – Beethoven – und man erschüttert ist, wie gut es das tut. Und deshalb noch genauer hinhört. Und keinen Fehler findet. Und wenn man mal doch etwas hört – eine Unschärfe vielleicht, oder etwas Überscharfes, wie im Klavierkonzert mit Louis Lortie – dann ist das nicht falsch oder schlimm, sondern macht das Ganze bloß noch exzellenter.

Weil es eben laut sein muss, damit man das Leise hört und still, damit das Laute das Erstaunliche ist. Auch und erst recht beim vierten Mal seit den Konzerten in Leipzig. Dazwischen verfügt Chailly über Crescendi und Dimenuendi, über einen Saal, der Verstärker ist und später Dämpfer, der präzisieren kann und im selben Moment vermischen, dass es keine Register mehr gibt, sondern bloß einen Korpus aus Klang.

In San Francisco hat der Schlagzeuger Wolfram Holl gesagt, wie faszinierend er es findet zu beobachten, „wie sich Klang in einen Saal frisst, Stuhlreihe für Stuhlreihe, ganz langsam, bis in jedes einzelne Ohr.“ Vor der Pause ist Bostons Beifall zivilisiert, im Vergleich zur anderen Seite Amerikas. Nach der Sinfonie – es ist nichts Neues – steht allerdings auch dieser Saal.

„I’m sure you haven’t had enough of Beethoven“, er sei sicher, die Leutze hätten noch nicht genug, sagt Chailly zu den knapp 2300, als er sieht, was er inzwischen kennt. Er lächelt und dreht sich um, unter dem Emblem und dem Gold. Sein Orchester spielt – Beethoven, die Ouvertüre zu „Geschöpfe des Prometheus“. Weil es nicht anders kann.

Auch nicht in Newark: Die Stadt im Bundesstaat New Jersey, etwa 16 Kilometer südlich von New York gelegen, wird anderntags die vorletzte Station sein dieser Tournee – mit identischem Programm. Am Wochenende folgen dann die beiden Konzerte in New Yorks Carnegie Hall sowie die offizielle Einführung des amerikanischen Freundeskreises des Gewandhausorchesters.

Kollegenbesuch

Dienstag, 23. Februar 2010

von Charlotte Schrimpff, Leipziger Volkszeitung

Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly feierte bei der Ankunft in San Francisco seinen 57. Geburtstag. Nach den beiden Konzerten am Sonntag und Montag haben alle anderen genauso Grund zum Feiern – und das nicht nur, weil Halbzeit ist, auf der 14. USA-Tournee des Gewandhausorchesters.

Am Abend kommt man ins Gespräch. Die Nachbarn zur Rechten sind aus Vancouver, Kanada – Olympia-Flüchtlinge, wie er spaßt. Zur Linken sitzen Jean und Adelheid Pfennings: „Von hier, aus San Francisco“ sagt sie auf Deutsch, „und ursprünglich aus Tübingen, aber das ist jetzt schon zehn Jahre her.“ In Reihe J im Parkett, das hier „Orchestra“, Orchester heißt, säßen sie normalerweise auch nicht, sondern weiter vorn, in Reihe R, Plätze 113 und 114. Weil ihnen aber ein Datum in ihrem Abonnement für die San Francisco Symphony (SFS) nicht gepasst hat und sie die Tickets tauschen mussten, haben sie eben das Konzert aus der „Great Performers Series“ am Sonntag genommen, auch, wenn sie das Gewandhausorchester am Montag sowieso gehört hätten. „Aber die Programme sind ja verschieden“ sagt er, und das stimmt: Chopins e-moll-Klavierkonzert und Dvoráks Sinfonie Nr. 9 gibt es Sonntag, am Montag dafür Beethovens fünftes Klavierkonzert und seine siebte Sinfonie.

Herbert Blomstedt, der letzte Gewandhauskapellmeister vor Riccardo Chailly (und zugleich letzter Chefdirigent der SFS vor Michael Tilson Thomas) hat am Samstag auch hier dirigiert, SFS mit Haydn und Beethoven, in dieser Woche werden es Mozarts Linzer Sinfonie sein und Anton Bruckners Achte. Nun sitzt er bei beiden Chailly-Konzerten in der ersten Loge vorne links – und scheint zufrieden. Nach Dvoráks Neunter steht er auf und klatscht, lange und mit Nachdruck. Wie alle anderen – und wie bisher überall in Kalifornien.

Die Louise M. Davies Symphony Hall – das M steht übrigens für „May“, was sogar im Haus niemand weiß – hat 2743 Plätze und einen Klang, der sehr europäisch ist, wie Generalbundesanwältin Monika Harms findet. Sie reist mit dem Orchester, die ganze Tournee über, hat die anderen Säle alle gehört und wird auch in Boston dabei sein, wo das Originalduplikat des zweiten Gewandhauses steht, in Newark und schließlich: der Carnegie Hall in New York. Die Gründung des amerikanischen Freundeskreises Ende Februar dort ist der eigentliche Anlass, „und bis dahin habe ich Urlaub“ sagt sie – „als einzige!“ Und lacht. Dabei sammeln sie, Andreas Creuzburg, der Vorsitzende der Leipziger Gesellschaft der Freunde des Gewandhausorchesters, und Gewandhausdirektor Andreas Schulz permanent Visitenkarten, unter Umständen direkt nach dem Frühstück, wenn Peter Rothen, der deutsche Generalkonsul in San Francisco bitten lässt. Nach dem Konzert am Montag bittet er übrigens auch den Rest des Orchesters – zum Empfang mit Kanapees und der Idee, gleich auch einen kalifornischen Zweig des Freundeskreises mitzugründen.

Die Musiker derweil haben einen freien halben Tag und üben. Oder joggen oder fahren Rad – am berühmten Pier 39 vorbei durch die Sonne und dann die genauso berühmten Hügel wieder hoch. Lothar Petrausch sieht da schon keine Sonne mehr und auch nichts von Alcatraz und dem Pazifik und der Brücke mit den rostig-orangefarbenen Pfeilern. Petrausch, der Bühnenmanager, steht mit seiner Crew in der Symphony Hall und stellt die hübsch gesägten Pulte hin und den Flügel für Louis Lortie. Und wenn das Orchester zur Zugabe Beethovens Prometheus-Ouvertüre gespielt hat und dann vorläufig wieder frei, steht Petrausch mit seiner Crew in der Symphony Hall und schiebt den Flügel zurück und die Pulte und verpackt alles andere in Kisten für den Flug nach Boston am Morgen.

Vorher muss allerdings das Toben aufhören. Um zehn nach zehn pazifischer Zeit, als 2743 Menschen tatsächlich nach ihren Mänteln greifen, die hier immer über den Rückenlehnen liegen, und zu den Ausgängen laufen, sind Jean und Adelheid noch mal neben mir. „Das kommt nicht so häufig vor, dass alle stehen zum Applaus“ sagt sie, „das ist hier schon etwas Besonderes. Bis morgen also!“ Ja, bis morgen – in Boston.

Ein amerikanischer Traum

Montag, 22. Februar 2010

von Charlotte Schrimpff, Leipziger Volkszeitung

Auf seiner USA-Tournee reißt das Gewandhausorchester in Costa Mesa die Zuhörer von den Sitzen.
Und wieder steht ein Saal. Freitagabend heißt der „Renée and Henry Segerstrom Concert Hall“ und hat 2000 Plätze. 1500 davon sind besetzt. Bravi beenden bereits die Ouvertüre und nach der Zugabe, Ludwig van Beethovens „Egmont“ op. 84, kennt der Taumel keine Grenzen. Das Gewandhausorchester gibt sein drittes Tourneekonzert und erlebt dabei den dritten Triumph.

Südlich von Los Angeles, in Costa Mesa. Was sich in etwa mit „Küstenplateau“ übersetzen lässt, selbst da die Stadt gar nicht richtig am Wasser liegt – bis zu den Stränden in Newport und Huntington sind es durchaus noch ein paar Meilen. Manche sprechen darum lieber vom „Künste-Plateau“, was die Sache tatsächlich besser trifft. Das „Orange County Performing Arts Center“ ist ein Begriff über die Region hinaus, in den insgesamt vier Sälen verschiedenster Bestuhlung ist von Oper, Musical über Jazz und Theater im Prinzip alles möglich.

Möglich deshalb, weil es Renée und Henry Segerstrom gibt. Ihr Vorfahr, Carl Segerstrom, ein Schwede, begründete den Familienwohlstand 1900 mit dem Kauf einer Farm für Limabohnen. An deren Stelle steht inzwischen das zweitgrößte Einkaufszentrum der Vereinigten Staaten, die South Coast Plaza von 1967 mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar. Den Segerstroms gehört außerdem eins der größten Immobilien-Unternehmen Kaliforniens und, gewissermaßen, der genannte Kunstkomplex am Town Center Drive. Sie spendeten das Grundstück und sie finanzieren einen Großteil des kulturellen Betriebs dort. Eine Art amerikanischer Traum.

Das Gewandhausorchester spielt auch in der zweitgrößten der Stätten, deren Akustik Russell Johnson konzipiert hat – niemand geringerer also als der Kreateur jener akustischen Anpassbarkeit, die man aus dem Haus in Luzern kennt und in Birmingham schätzt – unter anderen, selbstverständlich.

Es ist ein eleganter Saal, mit hellem Holz und Samt auf den Sitzen, ein Rotton, der fast schon ein bisschen ins Orange sticht. Drei Emporen schmiegen sich in weichen weißen Wellen an die Wände, die Orgel ist ein Rechteck, schlicht, silbern und mit Stil.

Zur Probe noch, als bloß ein paar Kollegen in den Reihen sitzen und darauf warten, dass Riccardo Chailly Antonín Dvoràks Neunte anspielen lässt oder, wie am Vorabend, Mendelssohns Violinkonzert, klingt er laut und ungefiltert, fast ein bisschen überdirekt. Später dafür, als alle Fräcke tragen und das Publikum samt Garderobe die unschönsten dieser Härten schluckt, ist er das, was ein guter Saal zu sein hat: Instrument des Dirigenten. Wäre also noch mehr Zeit gewesen zum Probieren, hätte sicherlich nicht  nur Lukas Beno den idealen Ferntrompeten-Platz gefunden, sondern Chailly Möglichkeiten und Mittel, die Sinfonie auch auf den Rängen so klingen zu lassen wie es im Parkett geklungen hat: Fundamental.