New York (dpa) – Zum Abschluss seiner USA-Tournee ist das Leipziger Gewandhausorchester in der New Yorker Carnegie Hall gefeiert worden. Das traditionell kritische New Yorker Publikum spendete den Musikern nach Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Dvorák fast zehn Minuten lang zum Teil stehend Applaus und brachte das größte klassische Orchester der Welt zu zwei Zugaben – ungewöhnlich in der amerikanischen Klassikwelt.
Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly wurde besonders gefeiert, ebenso wie Solist Nikolaj Znaider. Die legendäre Carnegie Hall in Manhattan war schon Tage vorher ausverkauft.
Das Gewandhausorchester hatte mit 100 Musikern in den vergangenen zwei Wochen Konzerte in jeweils drei Städten an der West- und an der Ostküste der USA gegeben. Mit Beethoven, Dvorák, Mendelssohn Bartholdy und Chopin sorgten die Deutschen für ausverkaufte Häuser.
«Es ist ein Privileg, in Amerika zu spielen», sagte Chailly der dpa. «Es war nicht unsere erste Tournee, aber ein Orchester ist ein lebender Körper, der sich ständig erneuert und verändert. Wir müssen uns jedes Mal neu beweisen.»
Die «New York Times» feierte bei dem «ehrwürdigen Gewandhausorchester» vor allem den «superben» Geiger Znaider. Der «San Francisco Chronicle» bescheinigte dem «Stunner From Leipzig» («Das Mordsding aus Leipzig»), die Kalifornier erobert zu haben. Das Leipziger Orchester habe perfekt gespielt, «ohne dass der Autopilot ansprang, wie es bei großen Orchestern so oft scheint». Der «Boston Herald» schrieb, dass die «Handel & Haydn Society» von 1815, auf die Bostoner so stolz seien, ein junges Gesicht sei im Vergleich zum ältesten bürgerlichen Orchester der Welt. Das 1743 gegründete Ensemble habe «engagiert und voller künstlerischer Exzellenz» gespielt. «Wir können nur auf mehr hoffen.»
Mit ihrem kraftvollen Spiel zeigten die Sachsen in Leipzig, was 20, 30 Musiker mehr ausmachen können. Chailly forderte die Musiker, führte zugleich aber auch sehr behutsam. Solist Znaider spielte perfekt und brachte die New Yorker zu Beifallsstürmen mit Mendelsohn Bartholdy. Der Musiker war selbst 1835 Gewandhauskapellmeister geworden und damit einer von Chaillys Vorgängern. Das, vor der Egmont-Ouvertüre als Zugabe, letzte Stück des Abends war Antonín Dvoráks Symphonie Nummer 9 und hatte ebenfalls einen historischen Hintergrund. Die Symphonie «Aus der Neuen Welt» war 1893 in der Carnegie Hall zum ersten Mal aufgeführt worden.