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Archiv für die Kategorie „26-08-2012, Helsinki“

Bevor wir abfahren…

Montag, 27. August 2012

Neben Übungsstunden im Hotelzimmer – wir bitten alle anderen Hotelgäste um Nachsicht für die Klanginvasion – gab es heute nochmal Gelegeheit den einen oder anderen schönen Ort in Helsinki zu erkunden. Sehr eindrücklich war die Markthalle am Hafen, in der man viele finnische Leckereien genießen kann.

Gern sind wir dem Tipp gefolgt und haben die Fischsuppe an einem der vielen Stände probiert – sehr gehaltvoll und köstlich. Dazu wurde extra stark gemalztes Brot und ein grünes Öl gereicht – eine Art dünnes Pesto aus Petersilie. Hat sich echt gelohnt. Danke für die Empfehlung!

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Sinfonie mit dem Holzhammer

Sonntag, 26. August 2012

Zunächst sei allen herzlich gedankt, die uns über Facebook zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Helsinki empfohlen haben. Heute war endlich Zeit, einen Teil der Liste “abzuarbeiten” – und es hat sich echt gelohnt, besonders weil Helsinki erst auf den zweiten Blick ihre Reize zeigt. Da ist der imposante Bahnhof, mitten im Zentrum, die moderne Architektur um das Konzerthaus, der weiße Dom und das russisch geprägte Häuserensemble rundherum, der Hafen nebst Markthalle und illustre Musikanten auf den Straßen. Um den Hafen herum liegen schöne Cafes, in denen man den Blick aufs Meer bzw. die vorgelagerten Inseln stundenlang genießen kann. Einige waren auch auf Suomenlinna, wo man sich offensichtlich einen veritablen Sonnenbrand beim Spazieren holen konnte.

Die Pflicht rief am späten Nachmittag wieder mit den Proben zum Messiaen- und Mahlerprogramm. Zuvor probierte der Chef des Freundeskreises der Mailänder Scala, ein Gast Riccardo Chaillys, den eindrucksvollen Holzhammer aus Mahlers 6. Sinfonie. Maestro Chailly nutzte die Zeit für persönliche Absprachen, während sich die beiden Percussionisten unter dem Saaldach mit allerhand Kuhglocken einrichteten – auch eine immer wieder gern gehörte Mahleridee.

Von Beginn des Konzertes an fiel die außerordentliche Stille des Publikums im ausverkauften “Musiikkitalo” auf. Eine solche Disziplin ist sehr selten, keine Hustenstürme, kein Räuspern, nix – nur die atemberaubende Musik “Et exspecto resurrectionem mortuorum” Messiaens. Großes Lob an die Kollegen am Holz und am Schlagwerk – das war echt beeindruckend.

Nach der Pause gab es Mahlers 6. Sinfonie, also 80 Minuten Spannung, Wucht und Dauerverausgabung. Allein der riesige Orchesterapparat mit ca. 130 Musikern bekam das Objektiv kaum zu fassen. Was hernach an Klangrausch im ersten Satz folgte, war einfach genial, auch dank der exzellenten Akustik im Saal.

Ja, und im vierten Satz kam der Holzhammer zum Einsatz – eine Holzkiste, die etwa einen Kubikmeter fasst und ein überdimensionaler Hammer dazu. Unser Schlagzeuger muss zum “Spielen” des Hammers auf ein Treppchen steigen und mit aller Kraft auf die Kiste schlagen. Zweimal knallt es in dieser Sinfonie – und das ist eine echte Herausforderung, denn das Ausholen mit dem Hammer ist nicht so leicht mit den anderen Instrumenten zu synchronisieren – der Schlag muss aber punktgenau sitzen, sonst ist der Effekt dahin. Alles war perfekt gelungen und das Publikum dankte es mit langem Applaus und Bravi.

Nach dem Konzert empfing Riccardo Chailly in seinem Zimmer den Dirgenten Jukka-Pekka Saraste mit seiner Frau, und auch der Pianist Pierre-Laurent Aimard kam hinter die Bühne und dankte Maestro Chailly für das Konzert.

Unsere Zeit in Helsinki geht langsam zu Ende und die beiden Konzerte werden uns in guter Erinnerung bleiben. Übrigens: das Gewandhausorchester war 1988 mit Kurt Masur das letzte Mal in Helsinki – es wurde also Zeit, einmal wieder Finnland zu besuchen.

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