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Archiv für die Kategorie „05-09-2012, Grafenegg“

Unser Debüt im Wolkenturm

Donnerstag, 6. September 2012

Nach zwei ergreifenden Konzerten beim weltgrößten Klassikfestival – den London Proms in Kensingtons beeindruckender Royal Albert Hall und einem freien Tag in der Heimat, verrät uns ein Blick auf den Tourneeplan, dass sich unsere Reise zu den bedeutendsten europäischen Klassikfestivals leider so langsam dem Ende zuneigt. Aber zunächst einmal ein kleiner Eindruck von unserem Debüt beim Musiksommer im niederösterreichischen Grafenegg.

Der Musiksommer, auf dem Gelände des Grafenegger Schlosses, hat sich in den letzten Jahren zu einem der renommierten Klassikfestivals entwickelt und so gibt sich auch in der sechsten Saison das Who-Is-Who der internationalen Spitzenorchester, -dirigenten und -solisten zweieinhalb Wochen lang vor den Toren Wiens die Klinke in die Hand. Das Cleveland Orchestra, das London Philharmonic unter Vladimir Jurowski, Yannick Nézet-Séguin mit seinem Rotterdam Philharmonic, Jukka-Pekka Saraste mit den Osloer Philharmonikern und der Bariton Thomas Hampson waren schon da. Nach uns kommen unter anderem noch das London Symphony und auch die Kollegen der Sächsischen Staatskapelle führt die Antrittstournee ihres neuen Chefs, Christian Thielemann nach Grafenegg.

Auf unserem Programm stand vier Mal Mendelssohn: die Ruy Blas- und die Schöne Melusine-Ouvertüre, die Reformationssinfonie und das Violinenkonzert op. 64 mit dem charismatischen Nikolaj Znaider, dessen Interpretation für zahlreiche Bravo-Rufe sorgte, gekrönt von einem herzlich-lautstarken „Wow!“ einer Besucherin nach seiner virtuosen Zugabe.  Erwartungsgemäß sorgte Mendelssohns Fünfte in ihrer Urfassung von 1830 für einen Beifallssturm – es ist aber auch ein beeindruckendes Werk!

Nicht nur das Publikum, auch das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Das anfängliche „Na, wird’s wohl halten?“ der Konzertbesucher konnte am Ende mit „ja!“ beantwortet werden. Es blieb bei einer leichten Brise und etwas Donner (der sich übrigens wie inszeniert in Znaiders Soli einfügte). Etwas mehr zu schaffen machte das Wetter unseren Musikern, insbesondere den Geigen, die mit den überdimensionalen, ja schon Grillzangen-ähnlichen Klammern kämpften, damit die Notenblätter nicht vom Pult fliegen.

Bei richtig schlechtem Wetter greifen die Grafenegger übrigens auf eine indoor-Variante zurück – dann wird ins Auditorium gewechselt. Die Open Air-Bühne – der sogenannte „Wolkenturm” – ist eine sehr beeindruckende, in eine Senke eingebettete, futuristische und 15 Meter hohe Skulptur, umrahmt von Tribünen für 1.700 Personen und noch einmal einige mehr auf den Rasenflächen der angrenzenden Hügel, von denen man einen wunderbaren Blick auf das romantische Schloss und den riesigen, an einen Golfplatz erinnernden Landschaftspark, genießen kann.

Ab Donnerstag sind wir wieder für paar Tage in Leipzig, denn es gilt das Saisoneröffnungswochenende, u.a. mit dem Gewandhaustag in der Innenstadt, dem traditionellen Open Air-Konzert auf dem Augustusplatz und die Mendelssohn-Festtage, vorzubereiten. Am 11. September führt uns die Reise zur letzten Station unserer Festival-Tournee, nämlich nach Luzern.

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