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Archiv für die Kategorie „2012 Festival-Tournee“

Glückliches Ende in Luzern

Dienstag, 11. September 2012

Es ist geschafft! Die diesjährige Festivaltournee ist nun definitiv mit dem Konzert beim Lucerne Festival, wo sich über einige Wochen hinweg alle Spitzenorchester dieser Welt die Klinke in die Hand geben, vorbei. Nachdem wir zwischendurch in Leipzig die Saison eröffnet und klassik airleben auf dem Augustusplatz mit 10.000 Fans zelebriert haben, sind wir nicht nur erleichtert, sondern auch sehr glücklich, das letzte Tourneekonzert geben zu können.

Vor dem Konzert gab Gewandhausdirektor Andreas Schulz bei einem Empfang zahlreicher Reiseunternehmer aus der Schweiz einen Einblick in die Welt des Gewandhausorchesters. Die Gäste konnten anschließend in den Genuss kommen, das Konzert im KKL zu erleben. Zum Durchatmen bevor es los ging empfahl sich ein Platz unter dem riesigen Dach des Veranstaltungshauses.

Der Konzertsaal im KKL ist formschön, farblich elegant und gnadenlos ehrlich. Man hört von jedem Sitzplatz, egal ob im Parkett oder in der 4. Galerie jeden noch so leisen Ton gleich gut. Hier hört man jede Brillanz, jeden Hauch und auch jeden Patzer – eine messerscharfe Akustik.

Dieses Konzert in Luzern war eine große, sorgsame Lese aus den Erfahrungen der beiden zurückliegenden Wochen mit Mendelssohns Reformationssinfonie und Mahlers 6. Als nach Mendelssohn ein großer Applaus losbrach verschwand die leichte Anspannung, denn das Programm hatten wir in dieser Zusammensetzung noch nicht gespielt: zwei Sinfonien an einem Abend ist eher unüblich.

Mit Mahler 6 begann dann ein Rausch, ein mitreißender musikalischer Durchschmarsch, der nichts anderes im Saal duldete. In dieser Sinfonie wurden nochmal alle Kräfte gebündelt und freigesetzt und nach dem letzten pizzicato war einfach nur Stille, lange Stille, bevor minutenlanger Applaus und stehende Ovationen folgten – ein guter Lohn nach großer Arbeit.

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Unser Debüt im Wolkenturm

Donnerstag, 6. September 2012

Nach zwei ergreifenden Konzerten beim weltgrößten Klassikfestival – den London Proms in Kensingtons beeindruckender Royal Albert Hall und einem freien Tag in der Heimat, verrät uns ein Blick auf den Tourneeplan, dass sich unsere Reise zu den bedeutendsten europäischen Klassikfestivals leider so langsam dem Ende zuneigt. Aber zunächst einmal ein kleiner Eindruck von unserem Debüt beim Musiksommer im niederösterreichischen Grafenegg.

Der Musiksommer, auf dem Gelände des Grafenegger Schlosses, hat sich in den letzten Jahren zu einem der renommierten Klassikfestivals entwickelt und so gibt sich auch in der sechsten Saison das Who-Is-Who der internationalen Spitzenorchester, -dirigenten und -solisten zweieinhalb Wochen lang vor den Toren Wiens die Klinke in die Hand. Das Cleveland Orchestra, das London Philharmonic unter Vladimir Jurowski, Yannick Nézet-Séguin mit seinem Rotterdam Philharmonic, Jukka-Pekka Saraste mit den Osloer Philharmonikern und der Bariton Thomas Hampson waren schon da. Nach uns kommen unter anderem noch das London Symphony und auch die Kollegen der Sächsischen Staatskapelle führt die Antrittstournee ihres neuen Chefs, Christian Thielemann nach Grafenegg.

Auf unserem Programm stand vier Mal Mendelssohn: die Ruy Blas- und die Schöne Melusine-Ouvertüre, die Reformationssinfonie und das Violinenkonzert op. 64 mit dem charismatischen Nikolaj Znaider, dessen Interpretation für zahlreiche Bravo-Rufe sorgte, gekrönt von einem herzlich-lautstarken „Wow!“ einer Besucherin nach seiner virtuosen Zugabe.  Erwartungsgemäß sorgte Mendelssohns Fünfte in ihrer Urfassung von 1830 für einen Beifallssturm – es ist aber auch ein beeindruckendes Werk!

Nicht nur das Publikum, auch das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Das anfängliche „Na, wird’s wohl halten?“ der Konzertbesucher konnte am Ende mit „ja!“ beantwortet werden. Es blieb bei einer leichten Brise und etwas Donner (der sich übrigens wie inszeniert in Znaiders Soli einfügte). Etwas mehr zu schaffen machte das Wetter unseren Musikern, insbesondere den Geigen, die mit den überdimensionalen, ja schon Grillzangen-ähnlichen Klammern kämpften, damit die Notenblätter nicht vom Pult fliegen.

Bei richtig schlechtem Wetter greifen die Grafenegger übrigens auf eine indoor-Variante zurück – dann wird ins Auditorium gewechselt. Die Open Air-Bühne – der sogenannte „Wolkenturm” – ist eine sehr beeindruckende, in eine Senke eingebettete, futuristische und 15 Meter hohe Skulptur, umrahmt von Tribünen für 1.700 Personen und noch einmal einige mehr auf den Rasenflächen der angrenzenden Hügel, von denen man einen wunderbaren Blick auf das romantische Schloss und den riesigen, an einen Golfplatz erinnernden Landschaftspark, genießen kann.

Ab Donnerstag sind wir wieder für paar Tage in Leipzig, denn es gilt das Saisoneröffnungswochenende, u.a. mit dem Gewandhaustag in der Innenstadt, dem traditionellen Open Air-Konzert auf dem Augustusplatz und die Mendelssohn-Festtage, vorzubereiten. Am 11. September führt uns die Reise zur letzten Station unserer Festival-Tournee, nämlich nach Luzern.

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Der 69. Prom

Sonntag, 2. September 2012

Auch an Sonntagen ist London etwas ruhiger und gemächlicher – das offenbarte jedenfalls ein Spaziergang am Vormittag. Später zogen sich viele Musiker zur Übungsstunde ins Hotelzimmer zurück. Am Nachmittag gab Riccardo Chailly ein Interview für BBC 3 über unsere Proms-Programme 2012, heute übrigens Messiaen und Mahler.

Zum Einspielen vor der Anspielprobe war jeder Platz willkommen, auch der manegenartige Raum inmitten derRoyal Albert Hall, in der sich bei den Proms vor dem Konzert die Stehbesucher einfinden. Unsere Percussionisten mit den Kuhglocken platzierten sich für die Probenstellen in Mahler 6 auf der obersten Ebene der Halle. So konnte der gewünschte Klangeffekt aus der “Ferne” erreicht werden.

Auch heute war die Royal Albert Hall ausverkauft. Offensichtlich scheinen die Besucher den Holzhammer in Mahlers 6 besonders ins Herz geschlossen zu haben. Nicht nur dass bei jedem Schlag ein amüsiertes Lächeln über die Lippen huschte, auch der Extraapplaus für unseren Percussionisten, der dieses Instrument bedient, war sehr euphorisch – von den vielen Dokumentationsfotos ganz zu schweigen. Nach Mahler versah das Publikum die Musiker und besonders Maestro Chailly mit intensiven Beifallsstürmen. Es brauchte gut sechs Vorhänge und allerlei rhythmisches Trampeln bis das Orchester in den wohl verdienten Feierabend geschickt werden konnte. Und Riccardo Chailly empfing gern noch zahlreiche Besucher in seiner Gaderobe. Unser letztes Konzert in London ging damit zu Ende. Bis Mittwoch in Grafenegg!

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Mendelssohn bei den Proms

Samstag, 1. September 2012

Wir sind wieder bei den Proms in London – ein absolutes Highlight der Tournee. Die Konzerte finden in der Royal Albert Hall statt. Die Halle wurde zu Ehren von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem Gemahl von Königin Viktoria, 1871 eingeweiht und zählt zu den beeindruckendsten Veranstaltungshäusern überhaupt. Gut 8000 Besucher fasst der Saal für Konzertaufführungen. Seit der Eröffnung pflegt die Queen mit der Royal Family durch einen seperaten Eingang die Halle zu betreten. Dieser Eingang ist unauffällig und unterscheidet sich nicht von den anderen. Man erkennt allerdings an den Stufen Teppichklemmen, die nur dort zu finden sind und den roten Teppich fixieren, wenn die Queen eine Veranstaltung besucht. Dann wird sie durch eine besondere Einfahrt bis zum Eingang gefahren, der die Royals direkt zur königlichen Logo führt.

Während der Proms wird die Büste des Begründers dieses Festivals – Henry Wood – auf der Bühne aufgestellt. Er wacht so über den Verlauf der Konzerte. Draußen sind während dieser Zeit zahlreiche Übertragungswagen geparkt, die dafür sorgen, dass jedes Konzert auf BBC3 live gesendet werden kann. Also, das zweite Konzert mit Mahler 6 gibt es morgen live im Radio zu hören!

 

Heute ist unser Mendelssohn-Programm an der Reihe. Wir erreichen die Halle, während der berühmte Organist Cameron Carpenter noch im Saal “orgelt”. Nach dem Konzert erwischen wir ihn vor seiner Gaderobe. Dann ist die Bühne endlich umgebaut und die Anspielprobe mit Nikolaj Znaider beginnt.

Der Saal war bis auf den letzten Platz ausverkauft und man kann sich nur wundern, wie ruhig das Publikum während des gesamten Konzerts war – ähnlich wie in Helsinki war eine wunderbar gespannte Stille zu spüren. Mendelssohn wurde von den Besuchern begeistert aufgenommen, das bewies in traditioneller Weise das laute, archaische Stampfen auf den Boden. Nikolaj Znaider brachte nach langem Applaus ein schönes Bach-Solo. Und der Jubel nach der 5. Sinfonie machte eine Orchesterzugabe unerlässlich. Nach dem Konzert gratulierte Sir John Eliot Gardiner Maestro Chailly zum erfolgreichen Konzert.

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Rummel in Salzburg

Donnerstag, 30. August 2012

Es ist Festspielzeit in Salzburg und das bedeutet jede Menge Hochkulturrummel an allen wichtigen Orten der Stadt und Salzburger Chiqué, wohin das Auge blickt. Das gehört hier einfach dazu, und das seit über 90 Jahren. Wegen Schlechtwetter wurde die legendäre “Jedermann”-Vorstellung ins Große Festspielhaus geholt und sorgte damit für enge Ab- und Aufbauabläufe. Auf den Gängen hinter der Bühne kamen frisch beklatscht vom Publikum Ben Becker und die ganze Spieltruppe vorbei – Shooting mit dem Teufel inklusive.

Ähnlich wie in Vilnius fanden wir uns dann einspielend zwischen allerlei Requsiten wieder. Die Bühne ist riesig und tief – gebaut um gewaltige Opern aufzuführen.

Ja, und dann gab es einen denkwürdigen Augenblick zu feiern: Riccardo Chailly erinnerte vor der Anspielprobe an die erste Begegnung zwischen ihm und dem Gewandhausorchester – das war 1986. Damals rief Herbert von Karajan den jungen Chailly kurzfristig an und lud ihn für das Dirigat mit dem Gewandhausorchester bei den Salzburger Festspielen ein. Er sagte zu und erlebte “ein Feuerwerk”, so schwärmt er noch heute von dem Konzert. Seither war das Gewandhausorchester nur 1990 zu einem Gastspiel in Salzburg. Dass nun, nach 26 Jahren Riccardo Chailly Gewandhauskapellmeister ist und wieder zusammen mit den Orchester bei den Festspielen auftritt, ist eine glückliche Fügung.

Gleich zu Beginn des ersten Satzes von Mahler 6, die heute Solitär im Programm war, spürte jeder im Saal den Eifer, die Energie, die Freude und den Willen, dieses Konzert zu einem besonderen zu machen. Ein Blick durch die Reihen zwischen den Sätzen offenbarte Entzücken bei den Besuchern. Das Scheigen und das Innehalten nach dem vierten Satz wurde freundlich aber bestimmt von einem Bravo unterbrochen, dem noch viele Bravi folgen sollten. Bei stürmischem Applaus und einem halben Dutzend Vorhängen scheint dieses Konzert bestens in der Festspielgesellschaft aufgenommen worden zu sein. Im Anschluss empfing Maestro Chailly zahllose Gratulanten an seiner Gaderobe. Dazu gehörte auch Eliette von Karajan und Alexander Pereira, der künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele.

 

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