Beiträge (RSS)
 

Archiv für die Kategorie „09. Nov 2017, Yokohama“

Yokohama, Minato Mirai Concert Hall

Donnerstag, 9. November 2017

In Yokohama gab es Brahms´ Violinkonzert und Schuberts “Große” C-Dur Sinfonie.

Autor:

Abschiedstournee für Heiner Stolle und Konrad Lepetit

Donnerstag, 9. November 2017

Für Heiner Stolle und Konrad Lepetit ist unsere Europa-Asien Tournee die letzte Gastspielreise zusammen mit dem Gewandhausorchester. Die zwei Bratscher gehen Ende 2017 in den Ruhestand.

Im Jahr 1961 begann Heiner Stolle als Neunjähriger mit dem Geigenspiel. Mit fünfzehn kam er an die Spezialschule für Musik nach Halle, die ihn unter der Bedingung aufnahm, Bratsche zu lernen. Nach Abschluss der 10. Klasse wechselte er 1969 an die Hochschule für Musik nach Leipzig, wo er zunächst bei Arnold Matz, später bei Dietmar Hallmann studierte, beide erste Solo-Bratscher des Gewandhausorchesters. Seine erste professionelle Erfahrung im Gewandhausorchester machte Heiner Stolle am 9. November 1972 als Substitut in einer Aufführung von Verdis „Nabucco“ in der Oper Leipzig. Nach Abschluss des Studiums wurde er 1974 ans Metropol-Theater engagiert. Nach einem Jahr in Berlin hatte er zunächst ab 1975 ein Engagement im Großen Rundfunkorchester Leipzig. 1977 wechselte er dann ins Gewandhausorchester.
Hier blieb Stolle schließlich ganze 40 ½ Jahre. Das sind neben unzähligen Konzerten in Leipzig, Operndiensten und Aufführungen in der Thomaskirche auch 900 Tourneekonzerte in 310 verschiedenen Orten. Trotz aller Begeisterung für seinen Beruf freut er sich nun auf die Zeit ohne das tägliche Üben. „Man muss aufhören können“, sagt Stolle. Er sei ja nur ein winziger Teil der riesigen Orchestertradition und jede Generation schreibt diese Geschichte fort. „Ich freue mich darauf, bald auf der Zuhörerseite sitzen zu dürfen“. Rückblickend empfindet der Musiker eine große Dankbarkeit dem Publikum gegenüber. Das Wechselspiel zwischen Bühne und Zuhörern, die unmittelbar spürbare Reaktion der Gäste auf die Musik sei etwas ganz Besonderes. „Vom Publikum wird das Orchester getragen“. Er ist sich sicher, dass die Begeisterungsfähigkeit sowie die enge Verbundenheit und Treue der Leipziger zum Gewandhausorchester keinesfalls selbstverständlich und damit einzigartig ist.

Nach 54-jähriger musikalischer Karriere in Leipzig, davon 39 Jahre beim Gewandhausorchester, endet Konrad Lepetits Engagement im Dezember 2017. Da der Bratscher ursprünglich Thomaner werden wollte, kam er 1963 als Elfjähriger an die Thomasschule und zum gleichnamigen Chor, mit dem er ab 1969 ersten Kontakt zum Gewandhausorchester hatte. Als 14-Jähriger nahm er dann ersten Geigenunterricht bei Musikern des Gewandhausorchesters und wechselte zwei Jahre später zur Bratsche. 1973 nahm er an der Leipziger Hochschule für Musik sein Studium bei Gewandhaus-Solobratscher Dietmar Hallmann auf. Nach Abschluss des Studiums im Jahr 1978 spielte der junge Musiker bei Kurt Masur vor und sollte die vakante Bratschenstelle im Gewandhausorchester bekommen. Doch in der ehemaligen DDR war man an die erste Stelle nach dem Studium – in seinem Falle an der “Musikalischen Komödie” in Leipzig – für 3 Jahre hinweg gebunden. So spielte Konrad Lepetit in diesen drei Jahren parallel regelmäßig im Gewandhaus als Aushilfe, bis er 1981 die für ihn frei gehaltene Stelle antrat. “Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel Repertoire kennengelernt“, fasst Lepetit die drei Jahre zusammen. Für den vollständigen Wechsel ans Gewandhausorchester waren die Jahre jedenfalls eine gute Vorbereitung. Um „eine neue Perspektive“ auf sein Instrument zu entwickeln lernte er außerdem Geigenbau bei den Instrumentenbauern aus Cremona und absolvierte Kurse für Instrumentenlack in Frankreich und Israel. „Das war eine sehr intensive Erfahrung“, schwärmt der Musiker. Eine der beiden Bratschen, die er gebaut hat, eine Kopie einer um 1650 entstandenen Viola von Giacomo Gennaro, spielt er seither im Gewandhaus, in der Oper und in der Thomaskirche. Konrad Lepetit, der auch mal Psychologie studieren wollte, sieht im Orchester einen Spiegel der Gesellschaft. „Wir hängen auf der Bühne alle voneinander ab – ohne ein „Miteinander“ funktioniert hier gar nichts“, weiß er. Deshalb ist er davon überzeugt, dass eine breite musikalische Allgemeinbildung einen wichtigen Einfluss auf das Soziale und Kreative in der Gesellschaft hat. “Die sozialen und kulturellen Werte, die das Musizieren einen lehrt, sind für unsere Gesellschaft ebenso existenziell wie für ein funktionierendes Orchester.“

In Leipzig sind die beiden letztmalig am 8. Dezember 2017 im Großen Concert zu sehen und zu hören.

Autor: