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Archiv für die Kategorie „23-05-2012, Barcelona“

Adéu, Fins aviat – Auf Wiedersehen Spanien

Samstag, 26. Mai 2012

Barcelona bildete den Höhepunkt der Gastspielreise des Gewandhausorchesters.
Kavakos und die Musikerinnen und Musiker des Gewandhausorchesters, angefeuert von Riccardo Chailly haben an diesem Abend noch einmal den Soundturbo gezündet.

Bei der Anspielprobe bedankten sich Andres Schulz und Riccardo Chailly bei den Beteiligten des Tournee-Teams, den Musikern und Leonidas Kavakos.

Schlagzeuger Wolfram Holl steht – passen zu seinem Instrument – vor einer  Trommlerin, die hier die indische Musiktradition repräsentiert – eine von vielen plastischen Figuren, die das Bühnenhalbrund dekorieren.
Bis knapp vor dem Konzert und in den Pausen gibt es immer noch etliches zu bereden, Absprachen zum Musizieren zu treffen, sich ein zu spielen,  Sitzplatzprobleme (Bässe) zu lösen und hinter den Bühnentür auf den Auftritt zu warten.

Die letzte Sekunde des ungeheuer mitreißend musizierten Schlusses von Schostakowitschs Violinkonzert konnte gerade noch festgehalten werden und man erkennt die unbändige Energie in den hochgerissenen Armen von Kavakos.
Solist und Dirigent bedanken sich bei den Orchesterkollegen und beim Publikum, das die Künstler gar nicht gehen lassen mag.

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Über den Dingen…..

Samstag, 26. Mai 2012

…… residierte der Gründer des katalanischen Orfeó Catalan, der im Palaú de la Música beheimatet ist.


Der Gründer hat sich über dem Konzertsaal seine Wohnung einrichten lassen, die von der Bühne bis zum Ende des zuschauerraumes reichte. Hier führte eine große Galerie überhalb der Bühne direkt in seine Räumlichkeiten und er konnte jedes Konzert miterleben. An dieser Galerie stehen der künstlerische Leiter des Palaú und Gewandhausdirketor Andreas Schulz und schauen der Probe zu.
Heute haben hier oben die Verwaltungsmitarbeiter des Palaú ihre Büros und eine Scheibe trennt Bühnenraum von der  Büroetage im sechsten Stock.

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Palaú? Gewandhaus? – Bürgerliche und politische Parallelen

Freitag, 25. Mai 2012


Der Palaú de la Música Catalana gehört zu den spektakulärsten Konzertsälen dieser Welt. Zwischen 1905 und 1908 von Lluís Domènech i Montaner gebaut. Seine Gründung weist weitreichende Parallelen mit dem Bau des zweiten Gewandhauses auf. Wie dieses wurde auch der Palaú alleine mit privaten Spenden und dem Verkauf privater Anleihen finanziert.
Wie das Gewandhaus wurde auch der Palaú vorrangig als Sitz für einen Klangkörper erbaut: für den Orfeó Catalá, einen in Katalonien sehr berühmten Chor mit Sitz in Barcelona. Der 1891 gegründete Männerchor, dem später ein Frauenchor und eine Kindermusikschule angegliedert wurde hat für Barcelona und Katalonien eine ähnliche Bedeutung für das Musikleben wie das Gewandhausorchester für Leipzig. Auch der Chor prägte lange Zeit maßgeblich das Musikleben in Barcelona und darüber hinaus: von der musikalischen Bildung bis zur Herausgabe einer eigenen Musikzeitung, die noch heute überregionale Bedeutung in Spanien genießt, stellte der Chor  – und ab 1908 der Palaú  – ein wichtiges identifikatorisches Moment für das bürgerliche Selbstverständnis Barcelonas dar.

Auch was den politischen Einfluss angeht, gibt es Parallelen: In Leipzig wusste Kurt Masur in der Wende-Zeit Ende der Achtziger Jahre sein eigenes internationales Ansehen und das des  Gewandhausorchesters dafür zu nutzen, um die Geschehnisse der Friedlichen Revolution in gewisser Weise zu beeinflussen.
Der Orfeó, der seit 1990 als Stiftung organisiert ist, gilt bis heute, vor allem wegen der maßgeblich beteiligten Familie des Gründers Lluís Millet i Pagés , die zu den einflussreichsten Familienclans in Kaltalonien zählt, als wichtiger Treffpunkt der gesellschaftlichen und politischen Elite des Landes, wodurch ihm ein gewisser  politischer EInfluss zuwuchs. Anders als in Leipzig, wo dieser Einfluss in den Achtziger Jahren positiv kanalisiert wurde, konnte der Orfeó während der Diktatur Primo de Riveras seinen Einfluss nicht im Sinne der Demokratie geltend machen und war starken Repressionen unterworfen. 1925 wurde dem Chor zeitweise sämtliche Aktivitäten untersagt.
Ein Nachfahre der Gründerfamilie und bis 2009 Präsident der Stiftung, Fèlix Millet Tusell, war im Rahmen der Erweiterungsmaßnahmen des Palaú im Jahr 2009 in Korruptionsvorwürfe verstrickt, weil die Baukosten sich verdreifachten (9,6 auf 24 Millionen Euro).
Präsidentin der Fundació Orfeó Català ist heute Mariona Carulla, der Palaú gehört seit 1977 zum Weltkulturerbe der Unesco.

Über das Abschluss-Konzert schreiben wir  im nächsten und damit letzten Blogeintrag dieser Tournee.

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Adieu Hélène & Flucht vor Putsch

Mittwoch, 23. Mai 2012


So – gestern war es nun soweit, der erste Abschied war gekommen: diesmal von unserer Solistin Hèlène Grimaud. Noch einmal stürmisch bejubelt von den Fans in Spanien freuen wir uns auf ein nächstes Mal!
Vielen Dank!

Der Hinterbühnenbereich im Auditorio Nacional de Madrid, ist von Aufnahmen aus der Vergangenheit bevölkert. Bei einem seiner ersten Auftritte in Spanien wurde auch von Riccardo Chailly ein Erinnerungsfoto gemacht, um den Maestro in der Reihe der berühmten Gäste des Auditorio zu verewigen. Wir erinnern uns mit.
Vorher-Nachher.

Und noch ein kleiner Blick in die Vergangenheit:
Orchesterwart Lothar Petrausch, der alle Reisen nach Spanien miterlebte begann seine spanische Karriere gleich mit einem Putsch.
Just am 23. Februar 1981, am zweiten Tag der allerersten Spanien-Tournee des Orchesters (damals mit dem Thomanerchor) unternahm das spanische Militär vom damaligen Gastspielort Valencia aus einen erfolglosen Putschversuch. Frustrierte Teile der Armee wollten an diesem Tag, ausgehend von Valencia, die junge Demokratie stürzen und die Diktatur wieder einführen. Der sogenannte “23-F” (23. Februar) wurde durch das entschlossene Auftreten von König Juan Carlos I, dem spanischen Oberbefehlshaber, nach wenigen Stunden beendet.
Die Thomaner, das Orchester und Lothar Petrausch kamen gerade noch so eben aus der Stadt und mit dem Schrecken davon.

In der Pause des Konzertes in Madrid begrüßte Riccardo Chailly eine spanische Delegation unseres Global Partners, des Sponsors DHL hinter der Bühne. Derweil erholten sich die Musiker und die beiden Intendanten Andreas Schulz (Gewandhaus) und Henry Schneider (Stelzen-Festspiele) posieren zum Doppelportrait.


Heute, 23.5. hieß es dann Abschied nehmen von Madrid. Mit dem Zug ging es in knapp drei Stunden nach Barcelons. Mit nur einem Halt und nie weniger als 270 kmh – Liebe Deutsche Bahn  – da scheint es noch Verbesserungspotenzial zu geben beim Zugverkehr in Deutschland!

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