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Archiv für die Kategorie „2011 Festival-Tournee“

Eine Glühbirne in Linz

Samstag, 17. September 2011

Liebe Freunde, der letzte Tour- und Konzerttag ist fast vorbei und es gibt wieder zu berichten. Bei herrlichem Sonnenschein ließ sich in Linz an der nicht ganz blauen, sondern eher grün-braunen Donau gut von den letzten Tagen erholen. Es stand keine größere Probe an und so konnte man sich gut auf den Abend im Brucknerhaus vorbereiten.

Auf Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly allerdings wartete bereits 10 Uhr morgens eine Journalistin des ORF mit einem Interview.

Der Konzertsaal selber liegt direkt am Fluss mit sehr schönem Blick auf das Donautal. Man beachte die Grundfläche des Gebäudes, sehr kompakt ohne viel Firlefanz. Das Blow Up vom Brucknerfest mit der Celloglühbirne prangt an der Fassade, nette Idee, oder?

Mit dem letzten Tourneekonzert endet auch die Serie “Menschen, ohne die nix geht”. Heute möchten wir Kerstin Lichtenberger von der Agentur tourconcept danken, die sich lange im Vorfeld mit der Planung und Organisation der Tournee beschäftigt hat. Sie hat den ganzen Orchesterapparat mit Flugbuchungen, Bustransfers, Hotelübernachtungen und vieles mehr in Bewegung gebracht. Sie begleitet uns auf dieser Reise und löst fast jedes Problem, das auftaucht. Also, besten Dank!

Gegen Abend gab es dann die Anspielprobe im Brucknerhaus Linz. Hier sieht man auch den Innenraum gut.

Und dann war es soweit: Konzertbeginn (Beethoven: Coriolan Ouvertüre, Klavierkonzert Nr. 3/Mendelssohn: Reformationssinfonie, Urfassung). Zum (vorerst) letzten Mal hatten wir das Vergnügen dieses Programm mit der hinreißenden Pianistin Maria Joao Pires zu spielen. Nach dem Klavierkonzert setzte ein frenetischer Applaus ein, minutenlang, bis eine Zugabe folgte. Treue Fans warteten schon vor der Künstlergarderobe, um Maria Joao Pires für dieses Konzert zu danken oder ein Autogramm zeichnen zu lassen. Auf die in Linz zum ersten Mal vorgestellten Urfassung der Reformationssinfonie musste zwingend noch ein Beethoven angestimmt werden, um dem Beifall zu begegnen.

Das war ein erfolgreicher Abschluss der ersten und recht kurzen Europatournee der Saison 2011/12. Morgen fliegen wir nach Leipzig zurück und erwarten Euch im Gewandhaus bei einem der nächsten Konzerte.

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Hommage an Bruckner

Freitag, 16. September 2011

Noch ein kurzer Blick auf den Vierwaldstätter See am Morgen und schon waren wir auf dem Weg nach Zürich, um das Flugzeug nach Linz zu nehmen. Ade, schöne Schweiz. Die Fluglinie zog sich direkt am Alpenrand entlang und so konnte man recht weit in die schneebedeckten Berge schauen, sehr eindrucksvoll. In Linz angekommen blitzte uns die Donau an. Nicht lange und wir waren auf dem Weg zu unserem heutigen Konzertort: St. Florian.

Schon bei der Anfahrt wurde klar, was für Ausmaße dieses Stiftskloster hat. Über den satten, prachtvollen Barock der Gebäude und der Basilika konnte man nur staunen. Nach vielen Treppen und noch mehr aufgeschlossenen Eichenholztüren kann man die berühmte Brucknerorgel, auf der der Komponist selber musizierte, beschauen. Von 1848-1855 wirkte Anton Bruckner hier als Stiftsorganist. Der Blick von dort auf den Altar ist grandios. Der heilige Florian, nachdem das Kloster benannt wurde, ist Schutzpatron der Feuerwehr. Der Schnappschuss mit Feuerlöscher sollte damit erklärt sein (der Löscher steht genau so neben der Orgel).

Anton Bruckner hat in der Krypta seine letzte Ruhe gefunden und es ist wohl für jeden Musiker, der in dieser Kirche spielt wie, als ob der Meister höchstpersönlich mithört. Es ist schon eine große Ehre für das Gewandhausorchester, an diesem Ort Bruckners 6. Sinfonie zu geben. Die Gebeine hinter dem Brucknersarg sind beim Bau des Klosters an diesem Ort aufgefunden worden, es handelte sich dort offenbar um eine frühe christliche Begräbnisstätte.

Schnell wieder hoch in die Umzugsräume und dann in die Basilika zur Anspielprobe:

Danach hatte unser Global Partner DHL einen kleinen Empfang organisiert, zu dem auch Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz kam.

Und dann war es endlich soweit. Der Kirchenraum hatte natürlich akustisch seine Tücken (3-5 Sekunden Nachhall), aber dennoch gelang die 6. Sinfonie Bruckners atemberaubend gut und war fein abgestimmt. Man spürte beim Musizieren, dass dieses Konzert etwas ganz besonderes war. Maestro Chailly war sehr berührt und dankte für den tosenden Applaus und die zahlreichen Vorhänge. Für große Liebhaber gab es nach dem Konzert noch eine Autogrammstunde im ehemaligen Arbeitszimmer Anton Bruckners.

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Luzern, ein Traum!

Donnerstag, 15. September 2011

So Leute, wir sind in Luzern.

Die Busreise dorthin war wenig erbaulich und auch nicht gerade spannend bebildert.

Was haben wir gesehen: Berge, Kühe ach ja, und Berge und Kühe!

Nach gut 4 Stunden Fahrzeit haben wir dann Luzern erreicht – Hotel beziehen – kurzes Bad im See – dann in die Stadt. Die Eindrücke konnten nicht verschiedener sein, verglichen mit Genf. War Genf noch französich gefärbt in Sprache und Lebensgeist, dazu die calvinistische, distanzierte Prägung, ist Luzern eher wohlig, schweizerdütschig und katholisch.

Die Kapellbrücke ist das Wahrzeichen der Stadt – in den 1990er Jahren verheerend durch einen Brand beschädigt, dann wieder aufgebaut. Von den Bogenmalereien haben nur wenige den Brand überstanden, ein Jammer.

Gut, dass es da die leckere schweizer Schokolade gibt, die gleich wieder gute Laune macht. Vor lauter Auswahl wird einem hier ganz schwindelig. Ach ja, auf dem einen Bild sieht man das KKL – das Konzerthaus in dem wir heute Abend gespielt haben. Das riesige Dach wird uns noch begegnen.

In der Portraitserie “Menschen, ohne die nix geht” haben wir heute den fleißigen Truckfahrer unseres Logistikpartners DHL ausgewählt. Er begleitet uns schon seit Leipzig, ohne das wir ihn oft sehen. Er fährt meist in der Nacht nach dem Konzert zum anderen Tourneeort. In seinem Truck sind alle Instrumente (ein unschätzbarer Wert) geladen und wir können ihm nur inständig danken, dass er seinen Job so gut macht.

Jetzt aber zum Konzert. Das KKL war gestopft voll, die Akustik brillant, die Architektur hinreißend. Der Innenraum ist tontechnisch kaum zu übertreffen und sieht dabei noch gut aus. In dieser Atmosphäre gelangen die beiden Werke des Abends, Wagners Tannhäuser: Ouvertüre und Venusberg sowie Bruckners 6., durch Chaillys Temperament einfach nur genial. Bei Bruckner verspürte man eine Dauerexplosion, Chaillys Zugriff war feurig. Sehr viel Applaus gab es. Am Bühneneingang versammelten sich dann nach dem Konzert zahlreiche Autogrammjäger. Und da sieht man auch nochmal dieses Riesendach, schick aber irgendwie nicht nötig.

Morgen geht es nach Linz.

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Applaus in der Viktoriahalle Genf

Mittwoch, 14. September 2011

Heute wurde es wieder spanned im Konzertsaal. Um zehn Uhr begann die Probe zum heutigen und morgigen Konzert. Für heute Abend gab es nochmal das Programm aus Bonn (Beethoven: Coriolan/3. Klavierkonzert, Mendelssohn: Urfassung der Sinfonie Nr. 5) und in Luzern werden wir Wagner und Bruckner spielen. Das will ordentlich geprobt sein. Dafür bietet die Viktoriahalle in Genf, die in den 1890er Jahren gebaut wurde und die ganze bauliche Üppigkeit dieser Zeit spiegelt, einen wunderbaren Rahmen. Hier seht Ihr ein paar Eindrücke vom Innenraum während der Probe – Darf es ein bisschen mehr Verzierung sein?

Während der Probe legte Maestro Chailly viel Wert auf Details im 3. Klavierkonzert Beethovens. Teilweise wurden einzelne Takte 5-6 Mal wiederholt, damit sie den Schliff und das Feuer haben, wie es Chailly wünscht. Diese Genauigkeit sollte sich am Abend auszahlen. Das Klavierkonzert wurde stürmisch gefeiert. Duzende Bravi und Vorhänge für die Solistin Pires, die es sich nicht nehmen ließ, eine feine kleine Zugabe zu spielen. Und selbst die auch in Genf noch unbekannte Urfassung der Reformationssinfonie fand großen Applaus und mündete auch hier in einer Zugabe. Alle waren sichtlich zufrieden, wie man sieht:

Am Donnerstag sind wir dann in Luzern beim legendären gleichnamigen Festival.

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Sommer in Genf

Dienstag, 13. September 2011

Leute, kommt nach Genf!

Nachdem wir uns aus den Bonner Hotels in Richtung Flughafen Köln Bonn aufgemacht hatten, gab es heute Vormittag wieder das übliche Prozedere der Reise: Transfer-warten-einchecken-noch länger warten-bording-1 Stunde Flug nach Genf-austeigen-warten-Transfer. Also nicht der Rede wert. Oben dennoch ein paar Eindrücke der Reise.

Viel mehr Wert haben wir auf unseren Orchesterwart Lothar Petrausch gelegt:

Er hat heute nämlich Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch und einen großen Tusch von uns allen. Ohne Herrn Petrausch geht auf Tournee gar nichts. Er arrangiert alles, was sich auf der Bühne befindet und wir als gegeben wähnen, wenn wir den Konzertsaal betreten (Logistik der Instrumente, Notenpulte und Stühle – Da muss alles seinen genauen Platz haben! – und er sorgt dafür, dass die richtigen Noten auf den einzelnen Pulten liegen).

Endlich in Genf - eine herrliche Stadt, die uns mit ihrem mediterranen Charme gleich vollends begeistert.

Bei gut 30 Grad am See lässt sich gut leben… Mal ehrlich, am See zu stehen und die Alpen im Hintergrund zu beschauen, das ist schon eine schöne Sache. Apropos: In einem der oberen Fotos sieht man ein Bergmassiv. Wie heißt der schneebedeckte Berg darin? Wer das zu allererst beantworten kann, gewinnt eine CD mit dem Gewandhausorchester. (Die erste Mail zählt! Einfach an christian.fanghaenel@gewandhaus.de schreiben)

Im Hotel wurde schon wieder fleißig am Instrument geübt. Die Blechbläser sind aus diesem Grund geballt in einem Flur untergebracht. Von dort hört man die wildesten Einspielgeräusche. Aus Mangel an ordentlichen Einspielorten ist für die Musiker so eine Tournee sehr schwierig, da wird  jede freie Minute und jeder ruhige Ort zum Üben genutzt.

Der Musikjournalist Julian Sykes (Le Temps) wurde gegen Abend von Maestro Riccardo Chailly zum Interview empfangen. Gut eine Stunde plauderten beide über die Einzigartigkeit des Gewandhausorchesters. Übermorgen wird es veröffentlicht. Wir werden versuchen, es in den Blog einfließen zu lassen.

Morgen ist dann das Konzert in der Genfer Viktoriahalle. Wir werden berichten.

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