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Archiv für die Kategorie „1. September 2010, Stuttgart“

Auf Probe

Donnerstag, 2. September 2010

„Es bedeutet mehr Verantwortung – aber das wollte ich ja auch so“, sagt er selbstbewusst. David Wedel, seit 2005 Mitglied der ersten Geigen des Gewandhausorchesters spielt seit dieser Saison als 1. Konzertmeister der zweiten Violinen. Auf Probe. Für ein Jahr.
Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt der heute Achtundzwanzigjährige Geige. Er studierte bei Zakhar Bron in Köln, bei Ulf Wallin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und nahm erfolgreich an verschiedenen internationalen Wettbewerben teil. Nach einer Praktikantenstelle im Konzerthaus-Orchester Berlin sowie Engagements in den Festivalorchestern in Verbier und des Schleswig Holstein Musik Festivals, wurde er als Tuttist der ersten Geigen ins Gewandhausorchester engagiert. 2008 übernahm er die Stelle des Vorspielers der ersten Geigen und gewann schließlich das Probespiel für die Position des 1. Konzertmeisters. Nun muss er sich ein Jahr lang bewähren.

David Wedel (gelbes Hemd) zwischen Riccardo Chailly und der Gruppe der 2. Violinen

Die Gruppe, deren Mitglieder unterschiedlich weit vom Dirigenten weg sitzen, orientiert sich nicht nur am Dirigenten, sondern auch am 1. Konzertmeister. „Die Position – wie auch alle anderen vorderen Positionen – ist wie der verlängerte Arm des Dirigenten“, erklärt Wedel. Er ist derjenige, der 100% Kontakt zum Dirigenten haben muss und der dessen Impulse an die Gruppe weiter vermitteln soll. Nonverbal natürlich – mit der Bewegung von Körper und Instrument. Der 1. Konzertmeister gewährleistet damit das exakte Zusammenspiel und genaue Einsätze der gesamten Gruppe. Parallel dazu muss er sich permanent mit den Kollegen der anderen ersten Pulte abstimmen und er muss dauernd den Kontakt zum Dirigenten halten – also eigentlich fortwährend an vielen Fronten reagieren – und natürlich noch spielen. „Man sitzt an der Stelle ziemlich `ungeschützt´, man kann sich nicht mehr an einem Vordermann orientieren und es gibt deswegen auch nahezu keinen Augenblick der Entspannung mehr.“

Damit David Wedel seine Rolle optimal gestalten kann, muss nicht nur er das Stück perfekt kennen, sondern auch die Gruppe muss gut vorbereitet sein. Gruppe und Konzertmeister müssen gemeinsam als Ganzes agieren. Erst die sehr genaue Kenntnis des Notenmaterials ermöglicht es den einzelnen Musikerinnen und Musikern, öfter nach vorne zu schauen, um die Impulse von 1. Konzertmeister und Dirigent wahrnehmen und umsetzen zu können. Wenn die Spieler an den Noten `kleben, können Einsätze und andere Zeichen von Dirigent und Konzertmeister unter Umständen nicht erkannt werden. Über „seine“ Gruppe jedoch schwärmt Wedel: „Die zweiten Geigen sind super zusammen! Und dabei darf man die besondere Leistung der hinteren Pulte nicht verkennen“, gibt er zu bedenken.

Die Entfernung vom letzten Pult bis zum Dirigenten ist weit.

Diese Musiker sitzen nämlich so weit weg, dass sie kaum eine andere Wahl haben als gut vorbereitet sein zu müssen, um ihre Einsätze über Blickkontakt mit dem Dirigenten und dem Konzertmeister besser koordinieren zu können.

Der Erwartungsdruck ist im Probejahr naturgemäß groß und beide Seiten müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen: Der neue 1. Konzertmeister muss lernen, wie die Gruppe funktioniert und ob er Führungsqualitäten besitzt, die Gruppe hingegen muss sich an seine Persönlichkeit und seinen Führungsstil gewöhnen.
Alles zusammengenommen ist David Wedel größeren psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt, als an den Positionen, die er zuvor innehatte. „Um herauszufinden, ob ich dem gewachsen bin, ist das Probejahr auch für mich wichtig“, sagt er selbstkritisch. Aber er ist guter Dinge: „Die ersten Proben und Konzerte sind toll gelaufen und ich bin zunehmend weniger angespannt.“

David Wedel kurz vor dem Auftritt in Stuttgart

Daumenkino 2: Abgang Hornquartett

Mittwoch, 1. September 2010


Herzlichen Glückwunsch übrigens dem Geburtstagskind im Hornquartett, das an seinem Ehrentag auf der Bühne stand.

Daumenkino 1: Auftritt Hornquartett

Mittwoch, 1. September 2010

Stuttgart, Backstage Konzertpause

Mittwoch, 1. September 2010

Generalbundesanwältin Monika Harms, die das Orchester nicht nur regelmäßig in Leipzig besucht, sondern es auch bereits mehrfach im Ausland begleitet hat, kennt mittlerweile viele Musikerinnen und Musiker persönlich. Die Begrüßung des Orchesters in der Pause ist ihr daher eine Herzensangelegenheit.

In der Stuttgarter Liederhalle sind die Räunlichkeiten der Hinterbühne mehr als beengt. Entsprechend suchen sich die Musiker jede nur mögliche Ecke zum Einspielen – auch der Instrumententruck dient als erweiterter Hinterbühnenbereich.

Stuttgart, Konzert

Mittwoch, 1. September 2010

In Stuttgart gastierte das Gewandhausorchester bislang  neun Mal. Bruno Walter dirigierte das erste Konzert hier im Jahr 1931. Es folgten Auftritte unter Franz Konwitschny (1957), Vaclav Neumann (1967), Kurt Masur (1976, 1980). Erst 20 Jahre später setzt Herbert Blomstedt die Reihe fort (2000, 2004). Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly leitet das Orchester zum ersten Mal im Jahr 2006 und erneut in diesem Jahr.

Auch in Stuttgart begann das Konzert mit einer Anspielprobe. Knapp bemessen für das riesige Programm, das im Rahmen des Musikfestes Stuttgart zusammengestellt wurde.
Genoveva-Ouvertüre, Sinfonie, Klavierkonzert, Konzertstück für vier Hörner im Eildurchlauf, um sich an die besondere Akustik der Liederhalle zu gewöhnen.

Anspielprobe mit dem Hornquartett des Gewandhausorchesters in Stuttgart

In der Pause traf sich eine hochrangige Delegation, um Gewandhauskapellmeister Chailly in seiner Garderobe zu treffen. Mit dabei unter anderem Monika Harms, die Generalbundesanwältin, die ein großer Fan des Orchesters und seines Dirigenten ist, Dr. Dieter Wegen, der die juristischen Rahmenbedingungen für den amerikanischen Gewandhaus-Freundeskreis erarbeitet hat, Udo Cervellini, ehem. kaufm. Geschäftsführer des Leipziger Porsche-Werks und andere.

Die Stuttgarter dankten dem Orchester, den Solisten und Riccardo Chailly mit begeistertem Applaus.