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Künstler

Gewandhausorchester

Wenige andere Klangkörper waren an der Entwicklung der symphonischen Musiktradition so entscheidend beteiligt oder haben das Verständnis von symphonischem Konzerterleben so nachhaltig geprägt wie das Gewandhausorchester: Nicht nur, dass der ehemalige Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy hier den Dirigenten-Beruf im modernen Sinne erfunden hat. Das Orchester spielte außerdem noch zu Lebzeiten des Komponisten sämtliche Beethoven-Symphonien, und auch der weltweit erste Bruckner-Zyklus ist dem Orchester zu verdanken. Richard Wagners Vorspiel zu Die Meistersinger von Nürnberg hatte im Gewandhaus Premiere, Beethovens Fünftes Klavierkonzert, die Violinkonzerte von Mendelssohn und Brahms sowie vielen andere Werken der musikalischen Weltliteratur. Und noch heute bringt das Gewandhausorchester in jeder Spielzeit neue Werke zur Uraufführung, zum Beispiel von Rihm, Henze, Schnittke, Kancheli, Boccadoro, Cerha, Matthews, Mantovani, Schleiermacher und vielen anderen.

Seine herausragende Stellung in der Musikgeschichte, ungezählte internationale Gastspiele (seit 1916) und Hunderte von Einspielungen haben den Ruf des Orchesters gefestigt, einer der weltweit populärsten symphonischen Klangkörper zu sein. Die unverwechselbare Klangfarbe des Orchesters, seine Flexibilität und virtuose Spielfreude gepaart mit einer Musizierhaltung »von hohem moralischem Anspruch« (Riccardo Chailly) sind die unüberhörbaren Markenzeichen des Orchesters.

Eine weitere Besonderheit stellt die ungewöhnliche Breite des Repertoires in den weit über 200 Aufführungen pro Jahr in Leipzig und der Welt dar. Dieses Spektrum ist vor allem den Aufgaben geschuldet, die das Gewandhausorchester seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Leipzig erfüllt: Es ist das Konzertorchester des Gewandhauses, das Orchester der Oper Leipzig und das Ensemble, das die wöchentlichen Kantaten gemeinsam mit dem Thomanerchor gestaltet.

Seit dem Amtsantritt von Riccardo Chailly als 19. Gewandhauskapellmeister (2005) wurde das Gewandhausorchester mit mehreren internationalen Preisen (Echo, Gramophone Award, Choc, Diapason d’Or etc.), einer Goldenen Schallplatte (für Italien) und mit dem Preis des Deutschen Musikverlegerverbandes für das beste Konzertprogramm der Spielzeit 2008/09 ausgezeichnet sowie 2009 zur »Marke des Jahrhunderts« gekürt.

Riccardo Chailly

Der gebürtige Mailänder dirigierte die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Gewandhausorchester, das London Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra, die New Yorker Philharmoniker, das Cleveland Orchestra, das Philadelphia Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra und trat an den wichtigsten Opernhäusern in der ganzen Welt auf: Mailänder Scala (wo er 1978 debütierte), Wiener Staatsoper, Metropolitan Opera New York, Royal Opera Covent Garden London, Bayerische Staatsoper München, Opernhaus Zürich. 1984 eröffnete er die Salzburger Festspiele und gastierte bei den Osterfestspielen sowie bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern.

Von 1983 bis 1986 war Riccardo Chailly Principal Guest Conductor des London Philharmonic Orchestra und von 1982 bis 1989 Chefdirigent des Radio-Symphonie-Orchesters Berlin. Von 1986 bis 1993 war er Musikdirektor des Teatro Comunale Bologna, wo er mit großem Erfolg zahlreiche Opernaufführungen leitete.

Seit seiner Ernennung zum Chefdirigenten des Concertgebouw Orchesters Amsterdam (1988-2004) widmet er sich verstärkt auch dem sinfonischen Repertoire. Nicht nur mit seinen Aufführungen der großen Standardwerke, sondern auch mit vielen Werken des 20. Jahrhunderts konnte er ein ständig wachsendes Publikum begeistern. Er begleitete das Concertgebouw Orchester auf zahlreichen Reisen zu europäischen Festivals (Wiener Festwochen, London Proms u. a.) und beendete kürzlich die Milleniumtournee mit Konzerten in den USA, Kanada, Japan und Europa. Darüber hinaus führten Tourneen mit dem Orchester u. a. nach Südamerika, China, Korea und Taiwan.

1994 wurde Riccardo Chailly der Titel Grande Ufficiale della Repubblica Italiana verliehen, und 1996 wurde er zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London ernannt. Im November 1998 wurde er anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums als Chefdirigent des Concertgebouw Orchesters von der niederländischen Königin mit dem Titel eines Ritters des Löwenordens von Holland ausgezeichnet. 1998 wurde er Cavaliere di Gran Croce der italienischen Republik.

Neben seinem Posten in Amsterdam leitete Riccardo Chailly von 1999 bis 2005 das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. Aus diesem formte er einen international geschätzten Klangkörper, der mittlerweile viele CDs beim renommierten Klassik-Label DECCA eingespielt hat.

Die erste künstlerische Begegnung Riccardo Chailly’s mit dem Gewandhausorchester fand anlässlich der Salzburger Festpiele 1986 statt. Mit Beginn der Saison 2005/2006 übernahm er das Amt des Gewandhauskapellmeisters.

Riccardo Chailly hat einen Exklusivvertrag mit der Plattenfirma DECCA und nahm ein umfangreiches Repertoire an sinfonischen Werken und Opern auf, insgesamt mehr als 80 CDs, darunter zehn Opern. Für seine Aufnahmen erhielt Chailly viele Preise, u. a. mehrfach den Edison Prize und den Gramophone Award, ferner Diapason d’Or, Academy Charles Cross Award, Unga Konotomo Award Japan, Toblacher Komponierhäuschen-Preis, viele Grammy-Nominierungen sowie den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2005. Die Zeitschriften “Diapason” und “Gramophone” ernannten ihn 1998 zum “Artist of the Year”.

Die erste CD und DVD mit dem Gewandhausorchester erschien Mitte September 2005 bei DECCA und dokumentiert das Amtseinführungskonzert von Chailly am 2. September 2005 in Leipzig. Die CD wurde mit dem ECHO Klassik Preis 2006 ausgezeichnet. Die Doppel-CD mit den beiden Klavierkonzerten von Johannes Brahms ist seit März 2006 erhältlich. Solist ist Nelson Freire. Die Einspielung wurde mit dem Diapason d’Or de L’année ausgezeichnet und für die 49. Grammy-Verleihung nominiert.. Die DVD, die am 1. und 2. Juni im Großen Concert mit Martha Argerich aufgezeichnet wurde, ist im Oktober 2006 erschienen.

Die Aufnahmen von Schumann-Sinfonien in der Bearbeitung von Gustav Mahler für die innovativen “Decca concerts” wurden zum Editor´s Choice der Zeitschrift Gramophone ernannt. “Decca Concerts” bietet auf iTunes Livemitschnitte von Großen Concerten zum Download an.

Zwei ECHO Klassik 2007 erhielten die Einspielungen der Schumann-Sinfonien 2 und 4 (arr. von Gustav Mahler) sowie die Aufnahme der Violinkonzerte von Mendelssohn und Bruch mit der Solistin Janine Jansen.

Das Gewandhaus wurde für die Konzertprogramme, die das Gewandhausorchester spielt, im Mai 2009 vom Deutschen Musikverleger-Verband” mit dem Preis “Bestes Programm 2008/2009″ ausgezeichnet.