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2011 | Beethoven-Zyklus

Der Beethoven Zyklus 2011 – von Leipzig nach Europa

Ludwig van Beethovens sinfonisches Werk gehört seit Beginn des 19. Jahrhunderts zum Kernrepertoire des Gewandhausorchesters, das als erstes Orchester die 1. Sinfonie Beethovens ein Jahr nach ihrer Uraufführung (und noch vor dem Erstdruck) nachspielte. Noch zu seinen Lebzeiten, in der Konzertsaison 1825/26, führte das Gewandhausorchester weltweit erstmalig alle Sinfonien Beethovens in einem Zyklus auf. Seither hat jeder Gewandhauskapellmeister „seinen“ Beethoven-Zyklus im Gewandhaus erarbeitet. In dieser Tradition präsentieren im Oktober 2011 auch Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester ihre Sicht auf die neun Sinfonien.
Vor über 200 Jahren ging ein wesentlicher Impuls zur nachhaltigen Beethoven-Rezeption in Europa von Leipzig aus: Das Leipziger Gewandhaus genoss damals bereits den Ruf, eine der ersten Pflegestätten Beethovenscher Musik zu sein. An der Popularisierung der Sinfonien Beethovens hatte Friedrich Rochlitz entscheidenden Anteil. Er war Mitglied der Gewandhaus-Direktion (und somit für den Spielplan verantwortlich) und Herausgeber der einflussreichen Allgemeinen musikalischen Zeitung (AmZ), die in Leipzig von Beethovens Originalverleger Breitkopf und Härtel verlegt wurde. Rochlitz förderte die Beethovenschen Kompositionen, in dem er sie – manchmal auch gegen den Publikumsgeschmack – kontinuierlich in den Gewandhaus-Spielplan integrierte und stets ausführliche Rezensionen in der AmZ über diese Aufführungen verfasste. Die solcherart publizistisch begleitete Entwicklung Beethovens und die feste Etablierung seiner Werke im Konzertbetrieb fand somit europaweit Verbreitung.
So ist es nur folgerichtig, dass der diesjährige Zyklus mit Riccardo Chailly auch im Wiener Musikverein, dem Londoner Barbican Center und dem Salle Pleyel in Paris zu hören sein wird.

Das Neue am Beethoven-Zyklus des Jahres 2011 ist die Kombination mit zeitgenössischen Werken. Die Aktualität Beethovens veranlasste Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly, fünf neue Werke in Auftrag zu geben. Jedem der fünf Abende
ist also ein Auftragswerk beigestellt. Mit Steffen Schleiermacher (Leipzig), Bruno Mantovani (Frankreich), Carlo Boccadoro (Italien), Friederich Cerha (Österreich) und Colin Matthews (Großbritannien) wurden Komponisten gewählt, die in Verbindung mit der Beethoven-Zyklus-Tournee durch Europa stehen.