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Snowbirds

Von Stefan Petraschwesky, mdr figaro

„Snowbirds“ sind eine ganz besondere Spezies. „Snowbirds“, sagt der Parkwächter vom McCollum Theatre in Palm Desert. Ein Einheimischer, der ziemlich spanisch aussieht. Wenn es in Boston, Washington, Seattle oder New York Winter wird, kommen sie eingeflogen. Wie Zugvögel bleiben sie von November bis Februar in Palm Springs oder Palm Desert. Hier ist es jetzt warm. Im Sommer wiederum zu heiß. Am Anfang kamen Filmleute aus Los Angeles, Hollywood, sagt der Parkwächter. Nicht nur zum Wohnen. „Mission impossible“ wurde hier gedreht. Dann kamen die anderen Reichen. Bill Gates soll hier auch sein.

Das Gewandhausorchester spielt hier am 18. Februar. Am Ende der Saison sozusagen. Die „Snowbirds“ fahren mit ihren Oberklasseschlitten am Haupteingang vor und drinnen auf der Bühne die besten Orchester der Welt auf. Die Damen und Herren „Snowbirds“ sind schon ein wenig in die Jahre gekommen. Flügellahm gewissermaßen. Vielleicht deshalb noch hier. Dafür sieht Nikolaj Znaider, der Solist im Mendelssohn Violinkonzert, noch wirklich gut aus. Das blühende Leben. Beim Blättern im Programmheft klimpern die Goldreife der Lady. Die Herren schnarchen zu Brahms. Guten Abend, gut’ Nacht.

Draußen auf dem Parkplatz vor dem linken Seitenausgang kann man die Probe aufs Exempel machen. Zehn Schlitten, das sind von links nach rechts: ein Rolls Royce Cabrio mit dem Nummernschild „Sugar79“; ein Maybach; ein Jaguar; ein Mercedes S500; ein Lexus R350; ein Mercedes S550; ein Mercedes E320; ein Lexus LE400, ein Mercedes CLS500; ein Ford Edge limited.

Natürlich ist hier interessantes Terrain für den noch zu gründenden Freundeskreis des Gewandhauses in den Vereinigten Staaten. Wenn die hier alle nur ein Prozent von ihrem Geld geben, könnte das Orchester die nächsten 90 Jahre finanziert sein, sagt einer, der es wissen muß. Im Scherz? – Nikolaj Znaider spielt übrigens eine Geige von 1741. Als die zusammengeleimt wurde, tanzte hier noch der Indianer ums Feuer. Geld ist also keine Sache der Tradition.

Die mexikanische Grenze ist von hier ungefähr 150 Meilen entfernt. Es ist ein Zaun da. Einer, der verhindern soll, dass die von Süden illegal reinkommen. Wahrscheinlich also so was wie Schutzwall ohne Todesstreifen. Dahinter, liest man in der Zeitung, tobt der Bandenkrieg der Drogenkartelle. Von dort kommt also der neue Stoff, aus dem die Träume sind.