Palm Desert in Orange County. Die Region gehört zu den am dichtesten bewohnten Gebieten der USA. Das Klima ist freundlich, warm am Tage, nachts kühl. Städte wie vom Reißbrett, kilometerweise eingeschossige Bauten: Einkaufszentren mit riesigen Parkplätzen davor und Mauern bewehrte Wohnviertel, die – jedes für sich – aus einem Guss entworfen wurden und die Individualität verschwinden lässt. Die klangvollen Namen der Viertel identifizieren ihre Bewohner. Menschen auf den Straßen sieht man wenige, dafür umso mehr Autos auf den großen Straßen.
In Palm Desert also, ein Nachbarort des bekannteren Palm Springs (Fahrtzeit 45 Minuten), steht das MacCallum Theatre for the Perfomring Arts. Ein Haus, das vornehmlich mit Spenden finanziert wird. Die reiche Klientel, die diesen Landstrich hauptsächlich in jenen Monaten als Zweitwohnsitz nutzt, in denen es an der Ostküste kalt ist, lässt sich die Kultur etwas kosten. Schließlich will man im Ausweichdomizil auch kulturell nicht darben.
Die Unterstützer des MacCallum Theatre sind in viele Gruppen unterteilt, je nach Höhe der Spenden. Alleine 14 Privatpersonen sind unter der Rubrik “Distinguished Benefactors Circle” aufgezählt, in den man nur aufgenommen wird, wenn man 1 Million Dollar spendet. Aber in der kleinen Gruppe der Fünf, die 2,5 Millionen spendeten, finden sich immerhin noch zwei Privatspender. Es sind Jahresspenden – wer also in der aktuellen Jahresübersicht aufgezählt wird, hat im Jahr 2009 gespendet. Kleinere als 250 Dollar-Spenden findet man nicht. Die Zahl der Unterstützer füllt 6 eng bedruckte Magazin-Seiten.
Das Gewandhausorchester ist Gast der Palm Springs Friends of Philharmonic, die für Ihre Konzertreihe das MacCallum Theatre mietet. Weitere Orchester der Saison sind Los Angeles Philharmonic mit Robin TIcciati am Pult und Lars Vogt am Klavier, Moscow State Radio Symphony sowie das St. Louis Symphony mit dem Violin-Solisten Gil Shaham.
Die hohen finanziellen Mittel, die hier von Privathand aufgewendet werden, um den Kulturbetrieb in dieser Gegend aufrecht zu erhalten, stehen in direktem Zusammenhang mit dem Durchschnittsalter der Gäste. Geschätzter Altersdurchschnitt ca. 65 Jahre aufwärts. Zahlreiche Hörgerät verabschieden sich herzzerreißend fiepend bei dem Lautsärkepegel, den das Gewandhausorchester unter Riccardo Chaillys Leitung erreicht.
Leider besticht das Theater nicht durch eine besondere Akustik. Der Saal klingt trocken und laut. Die Gäste störts offenbar nicht – herzlicher Applaus, Bravi, einge erheben sich “Standing Ovations”. Vor allem Nikolai Znaider, der auf der gemeinsamen Tournee heute sein erstes Konzert gab, wird stürmisch gefeiert – was man hier eben stürmisch nennt: Chailly spart sich am Ende die Zugabe, denn der Applaus ist zwar herzlich, aber so kurz, dass es die Schicklichkeitsgrenze schrammt. Aber vielleicht ist das eine Altersfrage: Lange Anfahrtswege stehen teilweise bevor (natürlich im eigenen Wagen) und man hat eben keine Zeit mehr zu verschenden.