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BÄMM!

20. Oktober 2014


An der Hüfte in Vibration versetzen, mit Schwung ausholen, über Kopf zusammenschlagen – BÄMMMMM!

Den Bewegungsablauf mit 12 kg schwingendem Metall in den Händen zu absolvieren ist ein ziemlicher Kraftakt. Gerhardt Hundt hat wahrscheinlich das Instrument mit dem größten Gewicht zu spielen. Vielleicht gibt es schwerere, aber keines davon muss man komplett in Bewegung versetzen.
In Bruckners 7. Sinfonie hat Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly den Einsatz eines lauten Beckenschlages auf dem Höhepunkt des ersten Satzes verlangt. Und weil es gar nicht laut genug sein kann mussten die ganz großen Becken rangeschafft werden: 60 cm Durchmesser und nahezu 6 kg pro Scheibe bringen die Instrumente auf die Waage. “Die spielt man nicht jeden Tag”, sagt Hundt. Man siehts: Das Training, um gleichzeitig den lautest- sowie den schönstmöglichen Klang aus zwei Metalltellern herauszuholen, hat seine Spuren hinterlassen.

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Wohin mit dem Cembalo?

20. Oktober 2014


Johann Sebastian Bach ist für Leipzig, was Mozart für Salzburg ist: Identitätsstifter, Musikgott, Touristenmagnet und Marketingprodukt. Schüler von Bach und Musiker seines Leipziger Collegium Musicum waren Mitglieder im 1743 gegründeten Ensemble, das später das Gewandhausorchester werden sollte.

Das Gewandhausorchester ist also nicht nur zu Lebzeiten Johann Sebastian Bachs gegründet worden, sondern es stand auch in unmittelbarer Verbindung zu ihm. Und wenngleich das Gewandhausorchester das “Haus-Orchester” der Thomaskirche ist, stand die 4. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach erstmals auf dem Programm eines Wien-Gastspiels.

Das dafür notwendige Cembalo ist allerdings ziemlich sperrig: Sechs Mitarbeiter des Musikvereins – die ansonsten als Einlasspersonal eingesetzt werden – helfen beim Umbau auf der engen Bühne, hinter der dann erst mal eine Einbahnstraße erreicht ist. Jahrelange Übung hilft auch hier: das Instrument war rasch verstaut.

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Debakel und Durchbruch

20. Oktober 2014

Wer in Wien Bruckner aufführt, muss schon gute Argumente auf seiner Seite haben, in der Hochburg der Bruckner-Pflege mit seiner eigenen Deutung der Sinfonien an zu treten. Das Gewandhausorchester als Eisbrecher für Bruckner kann damit punkten und begibt sich mit seinem 52. Wien-Konzert ins Herz aller Bruckner-Exegeten: Anton Bruckner wurde 1868 zum Professor für Harmonielehre, Kontrapunkt und Orgelspiel am Konservatorium der Gesellschaft für Musikfreunde berufen. Bruckner hatte in Wien allerdings lange kein Glück – er hatte starke Gegner und geriet zwischen die Fronten der “Wagnerianer” und “Brahmsianer”, die sich gegenseitig und Bruckner fanatisch bekämpften.

Erst die Uraufführung der 7. Sinfonie durch das Gewandhausorchester in Leipzig (unter Arthur Nikisch), also fernab vom zentralen Kampfplatz Wiener Meinungs-Cliquen, verhalf Bruckner zum Durchbruch, was schließlich auch in Wien in tiefe Verehrung für den Linzer Organisten und Komponisten mündete. Im Wiener Stadtpark wurde er schließlich in Bronze verewigt.

Das Gewandhausorchester hat diesen Befreiungsschlag für Bruckner in Wien zuletzt 1964 gespielt (Václav Neumann). Heute ist das Misstrauen gegen die “abtrünnigen” Bruckner-Verehrer aus Sachsen dem Jubel gewichen, der sich beim Tourneestart für die Interpretation unter Riccardo Chailly, der sich hier sichtbar verausgabt, lauthals Bahn gebrochen hat.

Kurz vor der Aufführung entspannte Stimmung bei Peter Gerlach, 1. Konzertmeister der 2. Violinen und seinem neuen Kollegen im Probejahr, dem Solobratscher Yu Sun. Gespannte Erwartung bei Musikerinnen, Musikern und Publikum, das SEHR dicht an der Bühnenkante sitzt.

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Was dem einen sein Bach….

19. Oktober 2014


….ist dem anderen sein Schnitzel: kulinarische und musikalische Errungenschaften können für Städte oder ganze Nationen geradezu identitätsstiftend sein und werden von Außenstehenden gerne für die simple Einordnung in grobe Mentalitäts-Schubladen genutzt. Wien ist im Bauchladen der Klischees eben vorwiegend auf Sissi und Schnitzel abonniert, wohingegen die Vorstellungen über Leipzig Leipzig meist vom gleichnamigen Allerlei und Bach bestimmt sind.
Da ist es doch herrlich, wenn die musikalischen Botschafter aus Leipzig ihr Gastspiel in Wien mit einem original Wiener Kalbschnitzel nebst Erdäpfelsalat und Apfelsaft, um sich für drei Tage Gastspiel zu wappnen, auf dem ja schließlich J.S. Bach gespielt wird. Orchestermanager Marco Eckertz im Café Prückl vor dem ersten Auftritt des Gewandhausorchesters im Musikverein.

Vielleicht ist bis Dienstag auch noch Zeit fürs Sissi-Museum Zeit.

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Drei Konzerte im Musikverein

15. Oktober 2014

Wir freuen uns auf die Konzerte am 19., 20. und 21. Oktober im Wiener Musikverein!

Auf dem Programm stehen Johann Sebastian Bachs 4. Orchestersuite D-Dur BWV 1069, Anton Bruckners 7. Sinfonie E-Dur, Ludwig van Beethovens Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61, die 12. Sinfonie d-Moll op. 112 (“Das Jahr 1917″) von Dmitri Schostakowitschs sowie von Felix Mendelssohn Bartholdy die Konzertouvertüre “Die Hebriden” h-Moll op. 26 MWV P 7 (“Fingals Höhle”), das Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 MWV O 14 und die 5. Sinfonie d-Moll MWV N 15 (“Reformations-Sinfonie”) in der Urfassung von 1830.

Bruckners 7. Sinfonie und Mendelssohns Violinkonzert, in Wien von Nikolaj Znaider interpretiert, wurden vom Gewandhausorchester uraufgeführt. Der Zyklus aller Schostakowitsch-Sinfonien, den das Gewandhausorchester in den Siebziger Jahren spielte, gilt als der eigentliche Durchbruch für Schostakowitschs Schaffen auf den Konzertpodien außerhalb der damaligen Sowjetunion.

 

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