Für Leser, die des Ungarischen nicht mächtig sind: die Überschrift bedeutet “Palast der Künste”. Dies war der heutige Auftrittsort des Gewandausorchesters. Das Kulturzentrum beherbergt meherere Veranstaltungs-Säle, ein Museum und andere EInrichtungen für kulturelle Aktivitäten..
Unsere ungarischen Kolleginnen und Kollegen (alleine drei Flötistinnen und ein Trompeter auf dieser Tournee stammen aus Ungarn) haben sich aber sowas von zuhause gefühlt!
Der 2005 eröffnete Kultur-Komplex umfasst auch den herausragend klingenden “Nationalen Bela Bartok Konzert-Saal” für 1700 Zuhörer.
Und der war fast voll heute Abend.
Der letzte Auftritt in Budapest liegt satte 33 Jahre zurück – da waren etliche der heutigen Orchestermitglieder noch gar nicht geboren. Im Anschluss an die Probe begrüßten sich auch Gewandhausdirektor Andreas Schulz und Leonidas Kavakos.
Dieses Konzert bleibt sicher deswegen in Erinnerung, weil Leonidas Kavakos für ein paar Schrecksekunden sorgte und mit unvergleichlicher Improvisationskunst eine kleine Showeinlage lieferte – neben dem ungeheur schwierigen Violinkonzert.
Die Schulterstütze seiner Geige ging nämlich kurz vor der Mörder-Kadenz des Violinkonzerts zu Bruch . Kavakos hat scheinbar Nerven wie Drahtseile. Er legte die Stütze auf das Dirigentenpodest und brachte Chailly kurzzeitig aus der Fassung, der die Stütze auf der Ecke in seinem Fußraumes fixierte wie ein gefährliches Tier. Nach der Kadenz drehte sich Kavakos zum ersten Konzertmeister, Hr. Funke, um, signalisierte sein Begehren und schnappte sich dessen Schulterstütze. Die hat er dann grade noch rechtzeitig angebracht, bevor er in atemberaubendem Tempo dem Ende entgegenpreschte.
Chapeau, Leonidas!!
Und wenn man dem Schild an Kavakos Garderobe sieht könnte man meinen, der ungarische Konzertveranstalter wollte den Künstler gar nicht wieder hergeben..
Das ungarische Publikum bejubelte den Auftritt entsprechend und präsentierte den überraschten Leipzigern nach dem Violinkonzert von Schostakowitsch seine besondere Art zu applaudieren: nach wenigen Augenblicken geht das unkoordinierte Klatschen in ein rhythmisches Applaudieren über – unvermittelt und äußerst präzise., wie man es aus anderen eurpäischen Ländern kaum kennt.
In der Pause traf eine ungarische Delegation des Gewandhaus-Sponsors DHL hinter der Bühne ein, die Riccardo Chailly begrüßt und den Gästen ein paar launige Details zum Programm mit auf den Weg gibt.
Der Abend wurde durch eine weitere Einlage bereichert:
Zu Beginn der zweiten Konzerthälfte hat ein Techniker erst mal die gesamte Sonderbeleuchtung im Saal versehentlich eingeschaltet, die mit lauten Knattern die Orgelscheinwerfer aufheizte und ein paar ferngesteuerte Spots in Bewegung setzte. Zum Glück fängt der Brahms ja laut an und Riccardo Chailly ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Super Publikum, gute Stimmung, toller Saal – man fragt sich, wieso wir hier nicht öfter gastieren. Für den herzlichen Empfang bedankten sich Riccardo Chailly und das Orchester mit der Akademischen Festouvertüre von Brahms.