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Verwirrung um Architekten

19. Mai 2012

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Auch wenn der in das Foyer hineinragende Bug des Budapester Konzerthauses aussieht wie jener im KKL in Luzern (siehe Blogeintrag und Foto von gestern), handelt es sich nicht um denselben Architekten. Der ungarische Architekt Gabor Zoboki des Architekturbüros Zoboki Demeter & Associates Architects hat das MuPa gebaut und sich bestenfalls von Jean Nouvel insrpirieren lassen, der  das KKL in Luzern entworfen hat.

Identisch ist allerdings das Unternehmen, das für die Aklustik im Saal verantwortlich ist und deswegen auch gewisse Parameter vorgibt, die die Säle reichlich ähnlich werden lassen, was Ausmaße, Raumenpfinden und Optik angeht (außer der dekorativen Elemente): Artec Consultants aus New York zeichnen nicht nur für das KKL und das MuPa verantwortlich. In Europa ist auf ihren Entwürfen hin auch das Innere der Konzert- und Opernhäuser in Ahlborg, Dijon, Birmingham, Rejkjavik und Compton Varney entstanden. In Asien das Esplanade, in Singapur und das LG Arts Centre Seoul. In den USA, Südamerika und Kanada verantwortete das Unternehmen als Akustik-Ingenieure nahezu 100 Konzert- und Verantstaltungsstätten.

 

Művészetek Palotája – Improvisieren ist Alles

18. Mai 2012

Für Leser, die des Ungarischen nicht mächtig sind: die Überschrift bedeutet “Palast der Künste”. Dies war der heutige Auftrittsort des Gewandausorchesters. Das Kulturzentrum beherbergt meherere Veranstaltungs-Säle, ein Museum und andere EInrichtungen für kulturelle Aktivitäten..
Unsere ungarischen Kolleginnen und Kollegen (alleine drei Flötistinnen und ein Trompeter  auf dieser Tournee stammen aus Ungarn) haben sich aber sowas von zuhause gefühlt!

Der 2005 eröffnete Kultur-Komplex umfasst auch den  herausragend klingenden “Nationalen Bela Bartok Konzert-Saal” für 1700 Zuhörer.
Und der war fast voll heute Abend.

Der letzte Auftritt in Budapest liegt satte  33 Jahre zurück – da waren etliche der heutigen Orchestermitglieder noch gar nicht geboren. Im Anschluss an die Probe begrüßten sich auch Gewandhausdirektor Andreas Schulz und Leonidas Kavakos.

Dieses Konzert bleibt sicher deswegen in Erinnerung, weil Leonidas Kavakos für ein paar Schrecksekunden sorgte und mit unvergleichlicher Improvisationskunst eine kleine Showeinlage lieferte – neben dem ungeheur schwierigen Violinkonzert.
Die Schulterstütze seiner Geige ging nämlich kurz vor der Mörder-Kadenz des Violinkonzerts zu Bruch . Kavakos hat scheinbar Nerven wie Drahtseile. Er legte die Stütze auf das Dirigentenpodest und brachte Chailly kurzzeitig aus der Fassung, der die Stütze auf der Ecke in seinem Fußraumes fixierte wie ein gefährliches Tier. Nach der Kadenz  drehte sich Kavakos zum ersten Konzertmeister, Hr. Funke, um, signalisierte sein Begehren und schnappte sich dessen Schulterstütze. Die hat er dann grade noch rechtzeitig angebracht, bevor er in atemberaubendem Tempo dem Ende entgegenpreschte.

Chapeau, Leonidas!!
Und wenn man dem Schild an Kavakos Garderobe sieht könnte man meinen, der ungarische Konzertveranstalter wollte den Künstler gar nicht wieder hergeben..

Das ungarische Publikum bejubelte den Auftritt entsprechend und präsentierte den überraschten Leipzigern nach dem Violinkonzert von Schostakowitsch seine besondere Art zu applaudieren: nach wenigen Augenblicken geht das unkoordinierte Klatschen in ein rhythmisches Applaudieren über – unvermittelt und äußerst präzise., wie man es aus anderen eurpäischen Ländern kaum kennt.

In der Pause traf eine ungarische Delegation des Gewandhaus-Sponsors DHL hinter der Bühne ein, die Riccardo Chailly begrüßt und den Gästen ein paar launige Details zum Programm mit auf den Weg gibt.

Der Abend wurde durch eine weitere Einlage bereichert:
Zu Beginn der zweiten Konzerthälfte hat ein Techniker erst mal die gesamte Sonderbeleuchtung im Saal versehentlich eingeschaltet, die mit lauten Knattern die Orgelscheinwerfer aufheizte und ein paar ferngesteuerte Spots in Bewegung setzte. Zum Glück fängt der Brahms ja laut an und Riccardo Chailly ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Super Publikum, gute Stimmung, toller Saal – man fragt sich, wieso wir hier nicht öfter gastieren. Für den herzlichen Empfang bedankten sich Riccardo Chailly und das Orchester mit der Akademischen Festouvertüre von Brahms.

Auf zur zweiten Halbzeit

18. Mai 2012
Durch das knapp verlorene Fußballspiel in Hamburg gegen die Mannschaft des NDR SInfonieorchesters wird uns die Fußballmetaphorik noch ein wenig erhalten bleiben.
Nach einer kleinen Spielpause ist das Orchester heute zur zweiten Halbzeit der Europa-Tournee gestartet. Erster Halt: Budapest.
Und weil wir die Schmach natürlich nicht auf uns sitzen lassen können, organisiert Cellist Nicolas, der nicht nur am Instrument sondern auch auf dem Rasen eine gute Figur macht,  bereits das nächste Spiel gegen die sinfonischen Mannen aus  Valladolid und Madrid.
Bevor es aber zu irgendeinem Spiel kommt, auf der Bühne oder auf dem Platz, wird – und auch das eine lieb gewonnene Konstante von Tourneen – erst einmal gewartet. Hier bei der Partie: “Wer ist schneller wieder ohne Koffer in der Lobby als die letzten ins Zimmer einchecken konnten” …….

 Aber wir wollen auch nicht vergessen, dass es vor wenigen Tagen ein herausragendes Gastspiel unserer Equipe im Berliner Konzerthaus gegeben hat. Der Tagesspiegel jedenfalls hat sich über den Auftritt des Orchesters mehr als positiv geäußert und auch das am Ende doch volle Konzerthaus tobte (wurde jedenfalls kolportiert).

Riesenjubel und ein Kölsch

13. Mai 2012

Was für ein Tag: entspannt begann er, mit einem kurzen Rundgang durch die Stadt. Dom, Museum, Kölschkneipe und Rheinbrücke durften nicht fehlen. Gleich zwischen Dom und Rhein befindet sich die Philharmonie Köln, unserer abendlichen Spielstätte.

Das Konzerthaus bietet viele Überraschungen, z.B. der Nespresso-Kaffeeautomat hinter der Bühne – der erste anständige Espresso, den es bisher auf der Tour zwischen Anspielprobe und Konzert gab. Das könnte eine Idee für das Gewandhaus sein…

Der Intendant der Philharmonie Köln Louwrens Langevoort begrüßte mit Riccardo Chailly das Orchester und dann ging es auch gleich los mit der Anspielprobe.

Der erste große Applaus setzte nach Ravels Klavierkonzert mit Hélène Grimaud ein, die sich während des Spiels doch recht fragend im Saal umsah, weil nur 2/3 der Sitzplätze verkauft waren – so ein Wahlsonntag in NRW kann offensichtlich ganze Heerscharen vom Konzert abhalten. In der Pause bekam Maestro Chailly dann Besuch vom Brand-Manager der DHL – lockere Gespräche in der Garderobe. Mahler 4 versetzte das Publikum dann in Jubellaune, es gab langen, sehr intensiven Applaus und zahllose Bravi. Zum Dank für dieses Konzert spendierte die Philharmonie Köln Kölsch für alle.

 

Ab in den Pott

12. Mai 2012

In aller Herrgottsfrüh sind wir heute von Hamburg mit der Bahn nach Köln aufgebrochen. Gut vier Stunde waren wir unterwegs, bis wir unser Wochenend-Base erreicht hatten. Glücklicherweise wartete ein Lunchbuffet im Hotel auf uns. Nach einer Nachmittagspause sind wir dann zu unserem heutigen Konzert in die Philharmonie Essen weiter gefahren. Diese Zweietappenreise hat alle ziemlich angestrengt.

Die Philharmonie Essen erscheint von außen eher nüchtern und unscheinbar, innen wirkt das Konzerthaus hell, offen und großzügig. Die Akustik im Alfred Krupp Saal, der ca. 1900 Sitzplätze bietet, ist sehr gut.

In der Anspielprobe wurden noch einmal einige Passagen des Schostakowitsch-Brahms Programms durchgespielt. Nach den Konzerten in Luxembourg und Hamburg, bei denen wir Ravel und Mahler präsentierten, war diese Probe sehr willkommen. Vor Konzertbeginn nutzte Hausherr Dr. Johannes Bultmann die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Riccardo Chailly und Prof. Andreas Schulz.

Die erste Konzerthälfte mit Leonidas Kavakos und seiner Interpretation des Violinkonzerts Nr.1 wurde begeistert und mit viel Applaus sowie zahlreichen Bravi aufgenommen. Es zeigte sich aufs neue, wie wundervoll Kavakos mit dem Orchester harmoniert und wie effektvoll seine Virtuosität aus dem Gesamtklang aufblitzt. In der Pause brachten sich die Fußballfans unter den Musikern auf den neuesten Stand des Spielergebnisses des DFB Pokalfinales. Brahms 3 war eine sichere Bank und die Akademische Festouvertüre als Zugabe brachte das Publikum zu standing ovations. Ein voller Erfolg in Essen.